10 Mai 2026

Else Feldmann – Wiener Schriftstellerin, Anwältin der Menschen

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Else Feldmann ist nicht nur in Wien, sondern auch weit über die Stadtgrenzen hinaus als Schriftstellerin und Journalistin für ihre einzigartigen Werke bekannt. In ihnen vermittelte sie ein klares Verständnis für das Leben der verschiedenen Bevölkerungsschichten, schreibt ivienna.info.

Eine schwere Kindheit

Else kannte die harte Realität aus eigener Erfahrung. Sie wurde am 25. Februar 1884 in Wien geboren. Ihr Vater war Kaufmann, ihre Mutter Hausfrau. Gemeinsam mit vier Geschwistern wuchs Else in ärmlichen Verhältnissen auf. Die häufige Arbeitslosigkeit des Vaters zwang die Familie zu wiederholten Umzügen.

Die Mutter, die vier Kinder aufzog, arbeitete von zu Hause aus. Dies führte dazu, dass Else schon früh die Teilung der Gesellschaft in verschiedene Kategorien schmerzlich wahrnahm. Als Schülerin erlebte sie soziale Ausgrenzung, ohne deren Gründe vollständig zu verstehen. Else musste ständig den Spott ihrer Mitschüler ertragen, die nur deshalb nicht mit ihr sprachen, weil sie aus einer armen Familie stammte.

Trotz allem gelang es ihr, sich als talentierte Journalistin und Schriftstellerin in einem überwiegend von Männern dominierten Umfeld zu etablieren.

Journalistische Tätigkeit

1904 lernte Feldmann Arthur Schnitzler kennen, der zu Beginn ihrer schöpferischen Laufbahn einen großen Einfluss auf sie ausübte. Im Oktober 1914 schrieb Else einen Brief an Arthur, in dem sie ihn um eine Beurteilung ihrer Arbeit bat, insbesondere ihres unvollendeten Stücks „Der Schrei, den niemand hört. Trauerspiel aus dem Ghetto“. Darin geht es um den Ausschluss von Juden aus der Gesellschaft.

Wie sich später herausstellte, kam Schnitzler dieser Bitte nach, denn er war bei der Premiere an der Wiener Volksbühne anwesend. Später schrieb er in seinen Tagebüchern, dass Feldmann ihn regelmäßig besuchte.

Schon in den Jahren der Monarchie veröffentlichte die bekannte Wiener Zeitung „Die Zeit“ gelegentlich Erzählungen von Feldmann.

Während des Ersten Weltkriegs schrieb Else für die Zeitung „Abend“ dramatische Artikel, in denen sie die schlechten Arbeitsbedingungen der damaligen Jugendgerichtsbarkeit beleuchtete.

Von 1918 bis 1920 erschienen im „Neuen Wiener Journal“ ihre „Bilder von der menschlichen Seele“, in denen die Schriftstellerin sich auf Menschen in schwierigen Lebenslagen konzentrierte: Kriegsinvaliden, alleinerziehende Mütter und Obdachlose.

1920 veröffentlichte die „Neue Freie Presse“ ihre Artikel zu ähnlichen Themen. In dieser Zeit wurde Else freie Redakteurin bei der „Arbeiter-Zeitung“, wo sie fortan regelmäßig publizierte.

Hier veröffentlichte sie den Großteil ihrer journalistischen Arbeiten sowie den Vorabdruck ihrer beiden Romane. Einer davon, „Löwenzahn“, der 1930 in zweiter Auflage erschien und ins Ungarische übersetzt wurde, zeugt von einem erfolgreichen Debüt. Darin beschreibt sie die letzten Jahre der Habsburgermonarchie.

Karriere als Schriftstellerin

1922 war Feldmann Mitbegründerin der Wiener Gruppe der von Henri Barbusse gegründeten internationalen Vereinigung „Clarté“. Diese Organisation engagierte sich im Kampf gegen den Krieg und seine Folgen.

Ihren ersten Roman „Leib der Mutter“ veröffentlichte Else 1924. Der Protagonist ist ein aus Amerika zurückgekehrter Journalist, der sich in den Elendsvierteln einer Großstadt niederlässt. Dort wird er Zeuge häuslicher Gewalt. Aufgrund großer Armut zerstört der Mann sein Leben, er verkehrt in den untersten Gesellschaftsschichten, was ihm letztendlich zum Verhängnis wird.

1928 erschien ein weiterer Band, „Liebe ohne Hoffnung“, der bereits in Zeitungen veröffentlichte Erzählungen sammelte. Mit dem wachsenden Einfluss des Nationalsozialismus verschlechterte sich jedoch Feldmanns Karriere.

Nach dem Verbot der „Arbeiter-Zeitung“ im Jahr 1934 verlor sie ihre wichtigste publizistische Plattform, auf der ihr letzter Fortsetzungsroman „Martha und Antonia“ erschienen war. In diesem Werk stellt die Schriftstellerin die Schicksale zweier proletarischer Frauen gegenüber.

Im Bewusstsein der politischen Gefahr, der sie als Jüdin ausgesetzt war, vertraute Feldmann all ihre Manuskripte der Schauspielerin Frieda Meinhardt an.

1938 wurden alle Romane der Schriftstellerin Feldmann in die Liste des unerwünschten Schrifttums aufgenommen. Im Juni 1942, nach mehreren Umzügen infolge einer Delogierung (Zwangsräumung) aus ihrer Gemeindewohnung, wurde die Schriftstellerin von der Gestapo verhaftet und nach Sobibor deportiert. Wenige Tage nach der Deportation verstarb Else Feldmann.

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