9 Februar 2026

Wiens süßes Geheimnis: Österreichisches Eis ist mehr als nur ein Dessert

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Wien, bekannt für seine imperiale Pracht, elegante Torten und die Kaffeehauskultur, verbirgt ein weiteres, nicht minder wichtiges gastronomisches Juwel – sein Eis. Obwohl viele das perfekte Gelato ausschließlich mit Italien assoziieren, hat die österreichische Tradition der Herstellung gefrorener Köstlichkeiten ihre eigene einzigartige Geschichte, die in den Wurzeln der Habsburgermonarchie liegt. Mehr dazu auf ivienna.info.

Wie italienisches Gelato Wien eroberte

Die Tradition des Eiskonsums (Eis oder Gelato) hat in Österreich tiefe Wurzeln, die mit dem Unternehmergeist italienischer Migranten verbunden sind. Seit über 130 Jahren stehen die Bewohner der österreichischen Hauptstadt für die Produkte von Dynastien wie der Familie Molin-Pradel Schlange, die zu den ältesten Eisherstellern in Wien zählt.

Die Geschichte der Verwandlung von Eis in ein Massenprodukt in Wien ist untrennbar mit Arcangelo Molin-Pradel verbunden. Sein Ururgroßvater, ein Einwanderer aus den armen Dolomiten in Norditalien, begann 1886, Eis von fahrbaren Wägen aus zu verkaufen. Zuvor war dieses Dessert aufgrund der hohen Kosten für Zucker, Milch und der Komplexität der Kühlung vor der Erfindung des elektrischen Gefrierschranks nur den wohlhabenden Bevölkerungsschichten zugänglich. Erfinderische Italiener, wie Molin-Pradel, änderten die Situation, indem sie begannen, Eis auf Wasserbasis aus Fruchtextrakten herzustellen, was es deutlich erschwinglicher machte. Silvio Molin-Pradel merkt an, dass sein Ururgroßvater „geholfen hat, Eis zu demokratisieren“.

Viele italienische Familien aus der armen Region Zoldo waren gezwungen, saisonal zu migrieren, um Geld zu verdienen. Wien wurde zu einem der ersten Ziele für diese Eishersteller außerhalb Italiens. Das gefrorene Produkt der italienischen Migranten gewann schnell an Beliebtheit bei den Wiener Durchschnittsbürgern, was jedoch den Zorn der österreichischen Bäcker hervorrief, die es als „gefährliche Konkurrenz“ empfanden. Trotzdem wuchs die Popularität, und 1894 erhielten die Eishersteller das Recht, eigene stationäre Geschäfte in Wien zu eröffnen und sich nicht nur auf Straßenwägen zu beschränken.

Wichtig: Traditionelles Gelato ist eine kalte Creme, die mit Zucker, Eiern, Honig und einer kleinen Menge Salz (zur Senkung des Schmelzpunkts) zubereitet und mit Bergamotte und Orange aromatisiert wird.

Wer führte die Eistradition ein?

Die Tradition des Konsums gefrorener Köstlichkeiten in Wien hat tiefe Wurzeln, die mit der Aristokratie verbunden sind. Bereits im 19. Jahrhundert wurden Sorbets und Eis in der kaiserlichen Küche serviert und galten als Zeichen von Luxus und Privileg des Adels. Eine besondere Liebhaberin dieses Desserts war Kaiserin Elisabeth von Österreich, die für ihre Vorliebe für exquisite kulinarische Genüsse bekannt war. Sisi bevorzugte exotische Geschmacksrichtungen wie Veilchen- und Rosen-Eis, die speziell für sie kreiert wurden. Ihre Vorliebe für leichte gefrorene Desserts trug zur Popularisierung von Eis unter den höheren Klassen Wiens bei, und später verbreitete sich dieser Trend in der breiten Bevölkerung.

Die wahre Revolution in der Wiener Eiskultur fand nach dem Zweiten Weltkrieg statt. In den 1950er und 1960er Jahren entstanden in Wien massenhaft italienische Cafés, die schnell zu beliebten Treffpunkten wurden. Dank ihres handgemachten Gelato machten die italienischen Meister die Wiener mit einer neuen Vielfalt und hohen Produktqualität bekannt. Sie brachten klassische Geschmacksrichtungen wie Pistazie und Zitrone mit und kombinierten sie mit ihren eigenen innovativen Kreationen. Diese neue Art der Herstellung setzte Qualitätsstandards, die über viele Jahre hinweg aktuell blieben.

Die Geheimnisse des Wiener Eises und die Kult-Eissalons

Die Geschichte des Wiener Eises wäre unvollständig ohne die Erwähnung der lokalen Erfolgsgeschichten, die die moderne gastronomische Identität der Stadt geprägt haben. Genau diese Kult-Eissalons pflegen aktiv die Tradition, indem sie das imperiale Erbe und die unübertroffene italienische Meisterschaft, verankert in jahrzehntelangen lokalen Traditionen, vereinen.

Einer der bekanntesten Namen, der untrennbar mit der Geschichte des Wiener Eises verbunden ist, ist Tichy. Gegründet in den frühen 1950er Jahren, ist dieser Eissalon ein wahres Symbol der Wiener Leidenschaft für süße gefrorene Köstlichkeiten.

Die bekannteste Delikatesse von Tichy, die weit über die Grenzen der Stadt hinaus berühmt wurde, sind die Eismarillenknödel. Der Besuch des Eissalons im 10. Bezirk ist für viele Wiener nicht nur ein Genuss, sondern eine nostalgische Erfahrung, verbunden mit Kindheitserinnerungen und Familientraditionen. Der Erfolg dieses Traditionsbetriebs demonstriert anschaulich, wie tief Eis in der Wiener Kultur und im Alltag verwurzelt ist.

Neben den geschätzten Veteranen gibt es auch Betriebe, die sich zum Ziel gesetzt haben, die klassische Wiener Eiskultur zu bewahren und neu zu interpretieren. Zum Beispiel arbeitet das Café Gefrorenes in der Währinger Straße 152 daran, hohe Qualitätsstandards aufrechtzuerhalten und mit traditionellen Geschmacksrichtungen zu experimentieren.

Diese aktive Kultur wird durch regelmäßige Eisfestivals (Ice Cream Festival, Gelato Week) unterstützt, die in Wien und Umgebung stattfinden. Bei diesen Veranstaltungen wetteifern Meister, präsentieren neue Rezepte und popularisieren das Handwerk der Eisherstellung. Solche Events stärken nicht nur die gastronomische Identität der Stadt als „Eis-Stadt“, sondern garantieren auch, dass jede Eiskugel in Wien eine einzigartige Geschmacksreise ist, die die Raffinesse des italienischen Gelato und Eis mit der österreichischen Liebe zu reichhaltigen Desserts verbindet.

Skurrile Eissorten in Wien

Die Wiener Eiskultur hat die Grenzen von klassischer Schokolade und Vanille längst überschritten und sich in einen Spielplatz für gastronomische Experimente verwandelt. Gelato-Meister überraschen die Besucher ständig, indem sie traditionelle italienische Handwerkskunst mit unerwarteten österreichischen und internationalen Zutaten kombinieren. Dies unterstreicht Wiens Status als innovatives Zentrum für Eis.

Einer der authentischsten und ungewöhnlichsten Geschmäcker ist Kürbiskern. Diese Sorte, die im Kontext mit Salons wie Eisgreissler genannt wird, ist zutiefst österreichisch, da Kürbiskernöl ein sehr beliebter Bestandteil der lokalen Küche ist.

Beträchtliche Kreativität zeigen auch Eissalons wie Schoko & Fiocco, die mit der Kombination von Beeren und Kräutern experimentieren. So bieten sie Himbeereis mit Rosmarin an – eine untypische Kombination aus Süße und einer frischen, würzigen Note. Eine weitere ungewöhnliche Köstlichkeit von Schoko & Fiocco ist Eierlikör. Dies ist ein alkoholischer Dessertgeschmack, der über die Grenzen der Massenproduktion von Eis hinausgeht. Dasselbe Eisstudio bietet auch den weltweit trendigen, aber nicht banalen Geschmack von gesalzener Haselnuss an, bei dem das Salz das nussige Profil verstärkt.

Im Salon Schelato lassen sich noch kreativere Kombinationen finden. Darunter sticht der Geschmack von Basilikum-Granatapfel-Salat hervor – eine sehr ungewöhnliche Mischung, die zwischen süß-sauer und kräuterig balanciert. Noch seltener ist Apfel mit Kren (Meerrettich), das dem Dessert einen scharf-süßen Beigeschmack verleiht und selten in gefrorenen Köstlichkeiten anzutreffen ist. Schelato wird auch im Zusammenhang mit der Verwendung von Avocado als einer der ungewöhnlichsten Zutaten genannt und bietet cremiges Eis für echte Liebhaber dieser Frucht.

Schließlich steht Veganista, wo der Schwerpunkt auf veganen Versionen liegt, in puncto Kreativität nicht nach und bietet gesalzenen Nougat an. Diese Kombination aus süßem Nougat mit einem salzigen Beigeschmack ist sehr unkonventionell. Dies zeugt von der ständigen Suche nach neuen Geschmackserlebnissen in den Wiener Salons.

Quellen: www.krone.at, www.gefrorenes.com, guide.michelin.com, www.rfi.fr

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