9 Februar 2026

Die Entwicklung der Straßen in Wien: das Aufkommen von Pflastersteinen auf den Straßen der Hauptstadt

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Die Entwicklungsgeschichte Wiens als Kaiserstadt und Kulturzentrum ist untrennbar mit der Evolution seiner städtischen Infrastruktur verbunden, insbesondere mit dem Aufkommen und Ausbau hochwertiger Straßen. Lange Zeit waren die Straßen Wiens, wie die meisten europäischen Städte, mit Schmutz und Erde bedeckt. Dies führte zu erheblichen Unannehmlichkeiten, besonders in Regenperioden, und erschwerte den Verkehr sowie das Vorankommen von Fußgängern. Die Situation begann sich mit der Entwicklung der Steinstraßenpflasterung (Bürgersteig) grundlegend zu ändern. Sie wurde zu einem echten technologischen Durchbruch, der das Gesicht der modernen Stadt bestimmte. Mehr dazu auf ivienna.info.

Die Geschichte der Wiener Steinpflasterung

Die Geschichte des Pflasters in Wien erstreckt sich über mehrere Jahrhunderte. Laut Austria-Wiki reichen die ersten bekannten Versuche einer systematischen Steinpflasterung der Straßen bis ins 17. Jahrhundert zurück. Regelmäßiger wurde die Pflasterung der städtischen Arterien jedoch etwa ab 1765, und in neueren Stadtteilen verbreitete sich diese Praxis in den 1820er Jahren. Interessanterweise haben historische Forschungen auch Pflasterteile am Platz Freyung gefunden, die laut einigen Quellen bis ins 12. Jahrhundert zurückreichen, was auf die Verwendung früher Formen der Pflasterung in den ältesten Teilen der Stadt hindeutet.

Ein bedeutender Meilenstein in der Entwicklung des Wiener Pflasters war die Einführung des sogenannten „Wiener Würfel“. Ab 1826 wurden aktiv Würfel aus Granit mit einer Kantenlänge von etwa 18,5 cm verwendet. Diese Steinform wurde standardisiert, und, wie Quellen behaupten, war einer der inoffiziellen Beweggründe für diese Größe und dieses Gewicht, sie weniger geeignet für den Einsatz als „Kampfstein“ oder Material für Barrikaden während der häufigen revolutionären Ereignisse jener Zeit zu machen.

Die Steine des „Wiener Würfel“ wurden in ein Sandbett gelegt. Diese Technik verlieh dem Straßenbelag die notwendige Flexibilität und ermöglichte es, einzelne abgenutzte Würfel relativ einfach auszutauschen, ohne große Straßenabschnitte demontieren zu müssen. Somit wurde der „Wiener Würfel“ zu einem charakteristischen und wiedererkennbaren Element des Stadtbildes.

Materialien und Besonderheiten des Wiener Pflasters

Die Evolution der Pflasterung in Wien spiegelt den Übergang zur Verwendung widerstandsfähigerer und langlebigerer Materialien wider. Ursprünglich wurde Sandstein (Flysch-Sandstein) für die Pflasterung verwendet, später wurde er jedoch durch deutlich robustere Granitsteine ersetzt. Der Granit wurde in Steinbrüchen abgebaut, unter anderem in der Gegend von Mauthausen.

Granitwürfel zeichnen sich durch ihre außergewöhnliche Festigkeit aus, was ihre Lebensdauer erheblich verlängert. Jeder dieser Würfel hat sechs Flächen, und nach dem Verschleiß einer davon kann der Stein einfach umgedreht werden, um eine neue Fläche zur Nutzung freizugeben.

Neben der Standardpflasterung wurden in Wien spezielle Verlegetechniken angewandt, um die Funktionalität zu gewährleisten. Ein solches Beispiel ist das „Pferdepflaster“ oder die „Geritzte“ (eingeschnittene Steine). Diese Steine hatten Kerben und wurden quer zur Fahrtrichtung verlegt, um eine bessere Traktion für die Hufe der Pferdegespanne zu bieten.

Heute sind auf wichtigen historischen Straßen, wie der Höhenstraße, Beispiele der klassischen alten Pflasterung erhalten geblieben. Die Stadtverwaltung erkennt ihren historischen Wert an, und solche Abschnitte stehen teilweise unter Schutz.

Das Asphalt-Zeitalter und die Bewahrung des historischen Pflasters

Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts begann in Wien eine neue Ära im Straßenbau, die durch die schrittweise Verdrängung des Steinpflasters durch Asphalt gekennzeichnet war. Erste Erwähnungen von Asphaltierungsversuchen einzelner Straßen in der Stadt sind bereits in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts dokumentiert. Die Einführung des Asphalts war durch die steigende Verkehrsdichte und den Bedarf an glatteren und leiseren Straßen für den Automobilverkehr bedingt.

In der modernen Zeit werden die alten Granitwürfel, die einst das Gesicht Wiens prägten, oft unter späteren Asphaltschichten „verborgen“. Bei Straßenbau- und Reparaturarbeiten stoßen die Kommunaldienste regelmäßig auf diese historischen Pflasterelemente.

Trotz der Dominanz moderner Beläge ebben die Diskussionen über die Bewahrung des authentischen Pflasters in Wien nicht ab. Der Belag auf einigen historischen Abschnitten der Stadt wird als Teil des kulturellen Erbes anerkannt und steht unter Schutz, was den Wunsch Wiens unterstreicht, ein Gleichgewicht zwischen den Anforderungen der modernen Infrastruktur und der Erhaltung der historischen Stadtlandschaft zu finden.

Erhaltung des Pflasters und seine Bedeutung im 21. Jahrhundert

Das historische Wiener Pflaster behält im 21. Jahrhundert seine Bedeutung nicht nur als Element des ästhetischen Erbes, sondern auch als wichtiger Klimafaktor. Studien zeigen, dass Steinplatten eine bessere Lichtreflexionsfähigkeit haben als dunkler Asphalt. Dadurch erwärmt sich das Pflaster weniger, was für die Milderung des Effekts der „städtischen Wärmeinsel“ und die Verbesserung des allgemeinen Stadtklimas von entscheidender Bedeutung ist.

Zur Pflege dieser traditionellen Beläge ist das separate Handwerk der Pflasterer erhalten geblieben. Diese Fachleute wenden weiterhin traditionelle Verlegetechniken an und bewahren sie, was die Qualität und Langlebigkeit des Belags garantiert.

Aufgrund ihrer außergewöhnlichen Haltbarkeit werden die alten Granitwürfel oft nicht weggeworfen, sondern wiederverwertet und wiederverwendet. Viele „Wiener Würfel“ werden einfach auf eine andere Seite gedreht, um ihre Lebensdauer zu verlängern, was das Prinzip der nachhaltigen Materialnutzung demonstriert.

Quellen: www.diepresse.com, kurier.at, www.geschichtewiki.wien.gv.at, www.1133.at

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