Die digitale Transformation ist eine unabdingbare Voraussetzung für die Entwicklung und Wettbewerbsfähigkeit jeder Weltmetropole. Die Stadt Wien zeigt einen ehrgeizigen und systematischen Ansatz für diesen Prozess, indem sie aktiv eine umfassende digitale Transformation entwickelt und umsetzt. Dieser Prozess umfasst nicht nur die Veränderung der technologischen Basis, sondern auch eine tiefgreifende Reorganisation der Strategien und Behörden, um die Effizienz der Verwaltung und die Lebensqualität der Bürger zu steigern. Mehr dazu auf ivienna.info.

Wien auf der Konferenz „Großstädte Europas“: Datenstrategie und Innovation
Im Oktober 2025 fand in Frankreich (Issy-les-Moulineaux) die Konferenz „Großstädte Europas“ statt, die über 200 Teilnehmer aus europäischen Städten versammelte. Der Fokus der Veranstaltung lag auf den Themen Digitalisierung, KI-gestützten Ansätzen und städtischer Transformation. Das Büro des Chief Information Officer (CIO) der Stadt Wien nahm aktiv an der Konferenz teil und präsentierte sowohl das konkrete innovative Projekt ADUCAT als auch strategische Entwicklungen.
Besonderes Interesse weckte die auf der Konferenz vorgestellte Präsentation des Projekts ADUCAT. Dieses Projekt konzentriert sich auf die Schaffung eines „Praktischen Datenraums für die städtische Klimaanpassung“ und die damit verbundene sozio-ökologische lokale Transformation.
ADUCAT kombiniert Daten des Copernicus-Programms mit fortschrittlichen Methoden der Künstlichen Intelligenz und des maschinellen Lernens. Sein Ziel ist nicht nur die Bereitstellung von Rohdaten, sondern deren Umwandlung in praktische Empfehlungen für Verwaltungsmaßnahmen. Damit demonstriert Wien den Übergang von der reinen datenbasierten Analyse zu einem handlungsorientierten Management im urbanen Kontext.

Die Stadt Wien erprobt gemeinsam mit Partnern aus Wissenschaft und Industrie innovative Methoden in folgenden Schlüsselbereichen:
- Monitoring und Sicherheit der Infrastruktur. Erkennung von Belastungen und Risiken (verursacht durch Hitze, Bodenbewegungen oder Wasserstress) für die städtische Infrastruktur mittels hochfrequenter Datenanalyse.
- Monitoring von Vegetation und Grünflächen. Erfassung von Veränderungen und Stressleveln in städtischen Grünzonen zur Unterstützung von Maßnahmen zur Klimaanpassung.
- Hochauflösende Temperatur- und Hitzeprognosen. Nutzung komplexer Datenmodelle zur Erkennung von „Hotspots“ und Unterstützung präventiver Maßnahmen in der Stadtplanung und im öffentlichen Gesundheitswesen.
Das EU-finanzierte ADUCAT-Projekt unterstützt direkt die Strategien der „Smart Climate City“. Dieses Beispiel unterstreicht die Verbindung zwischen Digitalisierung, Klimaanpassung und datenbasierter Stadtentwicklung.
In der Plenarsitzung lag der Fokus auf E-Government und der Gestaltung einer smarten Verwaltung. Es herrschte Konsens darüber, dass europäische Städte diesen Weg zur vollständigen Transformation konsequent weitergehen, aber die Herausforderungen in diesem Prozess weiterhin zahlreich sind. Die Teilnehmer hoben folgende strategische Erfolgsfaktoren für die digitale Transformation hervor:
- Datenstrategie;
- Wissensmanagement;
- Veränderungsmanagement (Change Management).
Somit präsentierte Wien nicht nur konkrete innovative Projekte wie ADUCAT, sondern engagierte sich auch aktiv in der Gestaltung europäischer Strategien zum Datenmanagement und zur umfassenden Transformation der Kommunalverwaltung.

„Digitale Tage 2025“ in Wien: Fokus auf europäische Ausrichtung und urbane Digitalisierung
Der Haupttag der „Digitalen Tage 2025“ in Wien fand am 15. Oktober im Technischen Museum Wien statt und stieß auf großes Interesse. Unter dem Motto „Europäischer Weg in die digitale Welt: Nachhaltig. Innovativ. Menschlich“ versammelte die Veranstaltung Hunderte von Besuchern, darunter Vertreter aus Verwaltung, Wissenschaft, Wirtschaft und Zivilgesellschaft. Die Einladung zu diesem groß angelegten Festival der städtischen Digitalisierung wurde von der Initiative DigitalCity.Wien organisiert. Die Teilnehmer hatten die Gelegenheit, die Chancen, Innovationen und Verantwortlichkeiten der Digitalisierung zu diskutieren.
Offiziell eröffnet wurde der Haupttag vom Mitglied des Wiener Landtages und Gemeinderat Benjamin Schulz sowie dem CIO Clemens Gimpel. Den Konferenzteilnehmern, darunter zahlreiche Schulklassen, wurde ein reichhaltiges Programm geboten, das umfasste:
- Podiumsdiskussionen mit Experten des Wiener Digitalzentrums.
- Workshops.
- Die interaktive Ausstellungsmeile DigiStreet.
Vertreter der Verwaltung, Unternehmen und Forschungseinrichtungen präsentierten die neuesten technologischen Entwicklungen. Das Spektrum der Innovationen reichte von KI-gestützter Bürgerkommunikation und resilienten Dateninfrastrukturen bis hin zu neuen Formen digitaler Bildung.

Zentrales Thema der „Digitalen Tage 2025“ war die digitale Souveränität von Städten und Verwaltungsstellen im globalen Kontext. Während einer Podiumsdiskussion mit hochrangigen Vertretern aus Forschung und Wirtschaft betonte der Wiener CIO Clemens Gimpel die Wichtigkeit dieses Konzepts. Er merkte an, dass, obwohl „digitale Souveränität“ oft ein unklarer oder vager Begriff sei, sein Kern auf die Fähigkeit der Stadtverwaltung hinauslaufe, die Funktionsfähigkeit ihrer eigenen Dienste für die Bürger aufrechtzuerhalten.
Somit bestätigten die „Digitalen Tage 2025“ die strategische Ausrichtung Wiens auf nachhaltige, innovative und menschenzentrierte digitale Lösungen und unterstrichen die kritische Wichtigkeit der Kontrolle von Städten über ihre eigenen digitalen Prozesse.

Schlüssel-Plattformen und digitale Dienste Wiens
Die digitale Transformation Wiens wird durch eine Reihe leistungsfähiger und funktionaler Online-Plattformen realisiert, die die Interaktion der Bürger mit der Stadtverwaltung sicherstellen und große Datenmengen zugänglich machen. Diese sich ständig weiterentwickelnden Dienste bilden die Grundlage des städtischen E-Governments:
- Virtuelles Amt / E-Government (mein.wien, mein.wien.gv.at). Diese Plattform, bekannt als das „Virtuelle Amt“, ist der zentrale Hub für die meisten städtischen Online-Dienste. Sie bündelt Schlüssel-Verwaltungsdienstleistungen an einem Ort, darunter: Anmeldungen, Bezahlung von Gebühren, Platzreservierungen (z. B. in Kindergärten) und Dienste im Zusammenhang mit dem Parken. Die Plattform wird seit 1995 aktiv entwickelt. Derzeit arbeitet die Stadt an der Einführung personalisierter Dienste und experimentiert mit dem Einsatz von Chatbots und Dialogformularen zur Vereinfachung der Kommunikation.
- Open Data / smartdata.wien. Der Bereich der offenen Daten in Wien wird durch zwei Hauptressourcen repräsentiert. Das Offene Datenportal (data.wien.gv.at) bietet Zugang zu großen Datensätzen (Mobilität, Parken, Klimadaten, Indikatoren der städtischen Infrastruktur). Die „Städtische Datenplattform“ smartdata.wien befasst sich mit der Umwandlung von Daten aus IoT-Geräten (Internet of Things) in offene Schnittstellen. Die Plattform basiert auf offenen Standards wie FIWARE und ist entscheidend für die Umsetzung der Smart-City-Strategie.
- MyWien / Personalisierte Dienste. Die Stadt führt aktiv experimentelle Dienste ein, die unter dem Projektnamen „Mein Wien“ zusammengefasst sind. Ihr Hauptziel ist es, kommunale Dienste zu personalisieren und den Prozess der Interaktion zwischen Bürger und Stadtverwaltung maximal zu vereinfachen. Dies entspricht der allgemeinen Digitalisierungsstrategie, die auf die Steigerung der Bequemlichkeit und Kundenorientierung abzielt.

Anwendungsorientierte Projekte des Digitalen Wien
Die Digitalisierung Wiens beschränkt sich nicht nur auf administrative Plattformen; sie wird aktiv in kritisch wichtige städtische Bereiche implementiert. Die Stadt realisiert eine Reihe innovativer, daten- und KI-orientierter Projekte:
- Smart City Pilotprojekte. Wien nimmt regelmäßig an großen Projekten der Europäischen Union teil, wie etwa Smarter Together. Im Rahmen dieser Initiativen integriert die Stadt von Sensoren erfasste Daten, führt energieeffiziente Lösungen und neuartige mobile Dienste ein. Das Ergebnis dieser Arbeit ist, dass ein Teil der gesammelten Daten über die Plattform smartdata.wien, unter Verwendung von Standards ähnlich FIWARE, der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurde.
- Digital Twin und Datenräume (Data Spaces). In ihren Strategien und Präsentationen erwähnt die Stadt aktiv das Konzept des Digitalen Zwillings der Stadt (digital twin). Dieses Tool wird als Schlüsselinstrument für die Planung und Überwachung des Energieverbrauchs, die Verkehrssteuerung und die Gewährleistung der Klimaanpassung betrachtet. Parallel dazu arbeiten Forschungsprojekte und die Data Excellence Strategy an der Implementierung des Paradigmas der „smart city data spaces“ (basierend auf Gaia-X / Data Governance), das ein strukturiertes und sicheres Management städtischer Daten gewährleisten soll.
- Künstliche Intelligenz (KI) in öffentlichen Diensten. Wien entwickelt seine eigene kommunale KI-Strategie und implementiert Pilotprojekte mit dem Einsatz Künstlicher Intelligenz. Diese Ansätze sind stets auf die Prinzipien der „human-centred, explainable“ KI (menschenzentrierte und erklärbare KI) ausgerichtet. Anwendungsbeispiele für KI finden sich in der medizinischen Information und im Kampf gegen Desinformation (zum Beispiel während der COVID-19-Pandemie).

Die institutionelle Ökosystem der Wiener Digitalisierung
Für die Implementierung und Koordination der digitalen Transformation in Wien ist ein klar strukturiertes institutionelles Ökosystem verantwortlich, das kommunale Strukturen, den privaten Sektor, Wissenschaft und Zivilgesellschaft vereint. Das Schlüsselorgan, das die Kommunikation und Koordination aller digitalen Projekte durchführt, ist Digitales Wien. Dieses Büro fungiert als zentrale Anlaufstelle für neue Initiativen, führt einen Informationsblog und sorgt für die Gesamtleitung.
Zur Stärkung der Position der Stadt als „digitale Hauptstadt“ und zur Unterstützung des Startup-Ökosystems fungiert DigitalCity.Wien. Diese Struktur ist eine gemeinnützige Netzwerkinitiative, die strategisch die Bemühungen der Stadtverwaltung, des IT-Sektors, wissenschaftlicher Einrichtungen und der Öffentlichkeit bündelt.
Eine wichtige Rolle in diesem Prozess spielt auch die Wissenschaft. Führende Universitäten wie die Technische Universität Wien (TU Wien) und die Medizinische Universität (MedUni) arbeiten aktiv an der Forschung im Bereich Künstlicher Intelligenz und Daten und kooperieren mit der Stadt durch Cluster-Initiativen, Konferenzen und gemeinsame Forschungsstipendien.