Wenn die ersten Schneeflocken sanft die Dächer Wiens bedecken, verändert die Stadt ihr Gesicht, doch das festliche Erscheinungsbild war nicht immer so. Im 20. Jahrhundert entstanden und etablierten sich in der kaiserlichen und später republikanischen Hauptstadt eine Reihe von Neujahrs- und Weihnachtstraditionen, die die Stadt von anderen österreichischen Zentren unterscheiden. Von elektrisch beleuchteten Christbäumen und Märkten bis hin zur massenhaften festlichen Straßenbeleuchtung, von Adventskalendern für zu Hause bis zu städtischen Feierlichkeiten – all das nahm im 20. Jahrhundert in Wien Gestalt an. Lesen Sie weiter auf ivienna.
Das Aufkommen des beleuchteten Christbaums und das neue Image des Festbaums
In Wien begann die Ära des Übergangs zu neuen Formen der Weihnachts- und Neujahrsfeiern bereits Anfang des 20. Jahrhunderts. In den Aufzeichnungen der Wiener Märkte wird beispielsweise erwähnt, dass auf der Freyung im Jahr 1903 eine Rekonstruktion von 128 Marktständen durchgeführt wurde. Damals wurde zum ersten Mal elektrische Beleuchtung für den Christbaum und andere dekorative Elemente verwendet.

Zuvor, im Jahr 1816, stellte die Ehefrau von Erzherzog Karl von Teschen, Prinzessin Henriette Alexandrine von Nassau-Weilburg, einen Christbaum in einer der Wiener Kirchen auf. Dies wurde zum Vorbild für die Aristokratie. Aber einen öffentlichen Festbaum im städtischen Raum mit moderner Gestaltung – mit Girlanden, Glühbirnen, zugänglich für die Öffentlichkeit – erreichte Wien erst im 20. Jahrhundert.
Zwischen dem Ersten und Zweiten Weltkrieg bereitete die Stadt zentral große Festbäume vor. Sie wurden aus der Umgebung Niederösterreichs geliefert und auf den Plätzen der zentralen Bezirke aufgestellt, nicht nur in Privathäusern oder Familien. Dies unterschied sich von kleineren Provinzen oder Dörfern, wo der Christbaum hauptsächlich zu Hause oder im Verborgenen stand.
Entwicklung und Popularisierung der Adventmärkte
Märkte in Wien haben eine lange Geschichte. Aber erst das 20. Jahrhundert machte sie zu einem modernen städtischen Element. Zum Beispiel wurde 1722 erstmals ein „Weihnachtsmarkt des Heiligen Nikolaus“ mit 108 oder mehr Ständen erwähnt. Er fand auf der Freyung statt.

Im 20. Jahrhundert waren die Etappen besonders bedeutsam:
- Im Jahr 1903 erhielt der Markt elektrische Beleuchtung. Wie im „EasyCityPass“ erwähnt: „1903 wurden 128 Gebäude renoviert und erstmals elektrisch beleuchtet“.
- Nach dem Zweiten Weltkrieg erlebte der Markt einen Umzug. 1939 wurde der Markt auf den Platz Am Hof verlegt. 1940 wurde er feierlich mit Gesang vom Volksliedverein eröffnet.
- 1975 erhielt der Markt seinen dauerhaften Standort auf dem Platz vor dem Rathaus.
Somit ist diese Entwicklung der Märkte in Wien eine der wichtigsten weihnachtlich-neujährlichen Schichten des 20. Jahrhunderts, die gerade hier ihre moderne Form annahm.
Einführung von Lichterketten und festlicher Illumination
Eine der auffälligsten Traditionen ist die festliche Straßenbeleuchtung. In Wien gewann dies im 20. Jahrhundert mit dem Übergang zur Elektrizität und später zur massenhaften Nutzung von LEDs an Bedeutung.
Ein Artikel des „Wiener ORF“ berichtet beispielsweise, dass 2019 für die Montage der festlichen Straßenbeleuchtung über 190 Kilometer Kabel verlegt wurden, davon 25 Kilometer allein auf der Ringstraße. Insgesamt waren es über 2 Millionen Lichtpunkte. Denn die Festbeleuchtung beschränkt sich nicht nur auf die Hauptstraße oder den Zentralbezirk, sondern umfasst Dutzende Einkaufsstraßen, Geschäftszonen und sogar Bereiche der Außenbezirke.

In der Wiener Beleuchtungsindustrie wurde die Beleuchtung nicht nur dekorativ. Bereits ab Mitte des 20. Jahrhunderts begannen die Behörden, Handelsverbände und städtischen Strukturen, die Beleuchtung als Element der Stadtmarke zu betrachten. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts erfolgte der Übergang von einfachen Lichterketten zu thematischen Lichtinstallationen, beleuchteten Fassaden und großen vernetzten Systemen.
Somit wurde die massenhafte festliche Illumination der Wiener Straßen zu einer städtischen Festtradition, die sich im 20. Jahrhundert herausbildete und ein wichtiges Merkmal der Stadt bleibt.
Vorweihnachtliche Dekorationselemente im Heimbereich
Neben den öffentlichen Veranstaltungen gab es im Wien des 20. Jahrhunderts wichtige Veränderungen in der Heimausstattung: die Herstellung von Adventskalendern, Christbaumschmuck, Dekorationselementen aus Papier, Glas, Folie… Beispielsweise befinden sich in den Sammlungen des Museums für Volkskunde und Volkskunst Adventskalender und Schmuck aus den späten 1950er und 1960er Jahren.
Der Weihnachtsschmuck wurde aus deutschen oder böhmischen Zentren importiert (z. B. Lauscha, Jablonec nad Nisou). In Wien wurde ihr Stil angepasst: Man spürte die Wiener Wohnkultur, den Kontext der mehrstöckigen Wohnungen, der Stadthäuser, was sich von der ländlichen Tradition unterschied.

Die häusliche Tradition des Adventskalenders – jeden Tag bis Weihnachten ein „Fensterchen“ zu öffnen – trat bereits in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts aus dem privaten Bereich in die breite Masse. Zum Beispiel gibt es gegen Ende des ersten Viertels des 21. Jahrhunderts den „Wiener Honig-Adventskalender“ mit Produkten aus den 23 Wiener Bezirken.
In Wien wird also nicht nur der Christbaum im öffentlichen Raum zur Tradition, sondern auch eine klar strukturierte Innendekoration – mit Kalendern, Schmuck und thematischen Elementen. Das zeigt die urbane Seite des Feierns.
Kommerzialisierung der Festtagszeit
Im 20. Jahrhundert erlebte Wien auch die Transformation der Festzeit in einen großen städtischen Markt: Marktstände, spezielle Produkte, Geschenke, Kekse, Glühweinstände… Aktuelle Daten zeigen beispielsweise, dass die Wiener Märkte etwa tausend Stände haben, was einen Rückgang im Vergleich zu ihrer Anzahl im 20. Jahrhundert darstellt.
Die Märkte im historischen Zentrum Innere Stadt und vor dem Rathaus wurden zu einer Plattform nicht nur für traditionelles Handwerk, sondern auch für die Geschenkindustrie: modernes Kunsthandwerk, Schmuck, Designelemente, Süßigkeiten. So wurden Lebkuchen, Vanillekipferl und Glühwein zu Symbolen der Wiener Weihnachtsmärkte.

Der kommerzielle Aspekt wurde von der Stadtverwaltung und den Handelsverbänden unterstützt, die die Stände und die dekorative Beleuchtung finanzierten – das heißt, die Festzeit wurde als Wirtschaftsfaktor anerkannt.
Wie wir sehen, formte die Tradition des festlichen Konsums, der Geschenke und der Marktindustrie im Wien des 20. Jahrhunderts eine städtische Festtagswirtschaft, die mit der Kultur und Architektur der Stadt verbunden ist.
Die Silvesterfeier als Teil der Stadtkultur
Die Tradition der öffentlichen Silvesterfeier mit Feuerwerk, Straßenkonzerten und städtischer Illumination entwickelte sich in Wien im 20. Jahrhundert stark. Obwohl einige der modernen Traditionen dem 21. Jahrhundert angehören, wurde das Fundament früher gelegt.
Zum Beispiel wurde der zentrale Platz vor dem Rathaus bereits in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts zum Schauplatz eines großen Adventmarktes und einer Neujahrsillumination. Darüber hinaus koordinierten die lokalen Behörden und kommerziellen Strukturen den Start der Festbeleuchtung, die Aufstellung großer Christbäume und die Schaffung spezieller Feierorte. In vielen Fällen wurden die Feierlichkeiten in den Städtetourismus integriert – Wien galt als „Weihnachtsstadt der Welt“.

Es ist bemerkenswert, dass der Markt auf dem Rathausplatz im Jahr 2024 nach Schätzungen der Organisatoren 3,3 Millionen Besucher zählte. Etwa 25% davon waren ausländische Gäste. Das bedeutet, dass die öffentlichen Feierlichkeiten in Wien in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, und besonders Ende des 20. Jahrhunderts, internationalen Charakter annahmen, wobei die Neujahrs- und Weihnachtsfeier Teil der Stadtmarke wurde. Das unterscheidet Wien von kleineren Städten, in denen die Feier lokal blieb.
Quellen: