In der Geschichte Wiens gab es mehrere Ausbrüche schwerer Epidemien. Der erste Cholera-Ausbruch erfasste Wien im Jahr 1831 und dauerte bis 1832 an. Er war einer der schrecklichsten, da er eine große Anzahl an Menschenleben forderte. Mehr dazu auf der Webseite ivienna.info.
Chaos in der Stadt

Die Cholera ist eine akute Infektionskrankheit, die durch das Bakterium Vibrio cholerae verursacht wird. Sie gelangt durch kontaminierte Lebensmittel und Wasser in den menschlichen Körper. Die Hauptsymptome der Krankheit sind Erbrechen, Durchfall, Bewusstseinsverwirrung, Schüttelfrost und Kopfschmerzen. Ohne Behandlung führt sie zum Tod.
Ihren Ursprung hatte die Cholera in Indien. Um 1820 näherte sie sich allmählich Europa. Im Jahr 1830 erreichte die Cholera über die Schwarzmeerregion Ostgalizien und drang von dort nach Nordungarn vor. Mitte August 1831 erreichte die Epidemie schließlich Wien.
Die Einschleppung der Cholera erfolgte über die Flüsse Wien und Donau, da mangels eines Kanalisationssystems alle Abwässer aus den Vorstädten in sie flossen. Auf diese Weise gelangten die Erreger über das Grundwasser in die Hausbrunnen und verseuchten diese.
Die Hauptursache für diese Plage in Wien war der Konsum von verunreinigtem Wasser und kontaminierter Nahrung. Es ist wichtig zu betonen, dass sich das Kanalisationssystem der Stadt zu dieser Zeit in einem äußerst schlechten Zustand befand. Bei Hochwasser wurden die Kanäle verstopft und der gesamte Unrat drang in die Häuser der Menschen ein. Bekanntlich werden die Bakterien dieser Krankheit durch verseuchtes Trinkwasser übertragen. Darüber hinaus schufen die mangelhaften hygienischen Bedingungen ein ideales Umfeld für die Ausbreitung des Bakteriums Vibrio cholerae.
Anstrengungen zur Bekämpfung

Als die Cholera in Wien ausbrach, herrschten Panik und völlige Verzweiflung unter der Bevölkerung, da ihr Leben in großer Gefahr war. Die Stadtverwaltung ergriff rasch Maßnahmen, um die Krankheit einzudämmen: Es wurden Sanitätskordons und Kontrollposten eingerichtet, die den Transitverkehr regulierten. Zudem wurden neue Vorschriften für Zuwanderer erlassen.
Die Stadtbewohner besprengten ihre Häuser mit Weihwasser, in der Hoffnung, die Krankheit so abwehren zu können. Die Ärzte vertraten die Meinung, dass nur die Stärksten überleben würden. Von 1831 bis 1832 betrug die Sterblichkeitsrate unter den Cholerakranken in Wien 64 %. Es erkrankten alle, sowohl Adelige als auch deren Hauspersonal – die Cholera verschonte niemanden. Gegen diese Infektion gab es keinerlei Mittel oder Medikamente; die Wiener sahen sich mit einer völlig neuen Krankheit konfrontiert.
Als man erkannte, dass entscheidende Maßnahmen schnellstmöglich ergriffen werden mussten, erweiterte die Stadtverwaltung die Spitäler und führte Vorschriften zur Entsorgung der Leichname der an der Krankheit Verstorbenen ein. Außerdem wurden Rundschreiben mit Vorsichtsmaßnahmen verteilt.
Es schien bereits alles überstanden und die Epidemie auf dem Rückzug zu sein, doch im Sommer 1832 kehrte sie zurück. Dieses Mal gab es jedoch kaum Opfer unter dem Adel; es traf das einfache Volk. Im Jahr 1873 begann der Bau der Ersten Wiener Hochquellenleitung, um Wasser aus den Alpenquellen nach Wien zu leiten. Diese garantierte eine moderne und hygienische Wasserversorgung. Dank dieser Maßnahmen wurde die Epidemie in ganz Europa schrittweise eingedämmt und die Sterblichkeitsrate sank drastisch. Darüber hinaus sicherte die Wasserleitung den Menschen sauberes Trinkwasser und eine ausreichende Wassermenge für den einwandfreien Betrieb des Kanalisationssystems.
Im Sommer 1873 fand in Wien die Weltausstellung statt. Unmittelbar danach kam es zum letzten Cholera-Ausbruch. In dieser Zeit wurde die Desinfektion von öffentlichen Toiletten und Kanalrohren mit Karbolsäure und Chlorkalk propagiert. Diese Methoden erwiesen sich als wirksam, da sich deutlich weniger Menschen infizierten als während der vorherigen Epidemien. Die genaue Zahl der in Wien an dieser Seuche Verstorbenen ist jedoch nicht bekannt.
Die Cholera hat die Menschheit tief geprägt und viele Leben gefordert. Gleichzeitig zwang sie die Menschen, Maßnahmen zur Verbesserung der allgemeinen Hygiene und ihrer Lebensbedingungen zu ergreifen.