Josef Breuer ist eine Persönlichkeit, auf die Österreich stolz ist. Seine einzigartigen Arbeiten in der Physiologie und Psychiatrie haben die Entwicklung vieler Bereiche der Wissenschaft und Medizin vorangetrieben. Mit seinen bedeutenden Entdeckungen auf dem Gebiet der Neurophysiologie sorgte er weltweit für Furore, schreibt ivienna.info.
Kindheit und Jugend

Josef wurde 1842 in Wien geboren. Sein Vater, Leopold, arbeitete als Religionslehrer. Seine Mutter verstarb leider, als Josef noch sehr klein war, weshalb sein Vater und seine Großmutter seine Erziehung übernahmen.
1858 schloss Breuer das Akademische Gymnasium in Wien mit Auszeichnung ab und inskribierte anschließend an der medizinischen Fakultät der Universität Wien. 1867 legte der junge Mann erfolgreich seine Prüfungen ab und begann als Assistent des Professors für Innere Medizin, Johann von Oppolzer, an der Universität zu arbeiten. Nach dem Tod seines Lehrers im Jahr 1871 eröffnete Breuer eine Privatpraxis und setzte parallel seine Arbeit im Labor fort. Dort widmete er einen Großteil seiner Zeit der Erforschung der Bogengänge des Innenohrs, die seiner Meinung nach die Kopfbewegungen steuern.
Karriere in der Medizin

Nachdem er seine Tätigkeit in der österreichischen Hauptstadt aufgenommen hatte, erlangte Breuer sehr schnell Ansehen und Respekt. Er war einer der besten Hausärzte. Zu ihm kamen Studenten und Mitarbeiter der medizinischen Fakultät. Darüber hinaus behandelte Josef auch hochrangige Mitglieder des kaiserlichen Hofes. Alle waren sich einig, dass der junge Arzt ein wahres Talent besaß. Er stellte präzise Diagnosen, war in allem erfolgreich und half unzähligen Menschen, ihre Krankheiten zu überwinden. Viele sagten, Breuer finde die Ursachen verborgener Krankheiten sehr schnell. Die Wiener glaubten, seine medizinischen Kenntnisse seien ihm von Gott gegeben.
Als Josef unter der Leitung von Ewald Hering an der militärärztlichen Schule in Wien zu arbeiten begann, demonstrierte er als Erster die Rolle des Vagusnervs bei der reflexartigen Steuerung der Atmung. Breuers Beweise unterschieden sich von den Vorstellungen seiner Kollegen. Dies führte dazu, dass die Wissenschaftler ihre Ansichten über die Verbindung der Lunge und der Bronchien mit dem Nervensystem änderten. Heute ist dieser Mechanismus als Hering-Breuer-Reflex bekannt.
Erschließung der Psychoanalyse
Die größte Bekanntheit erlangte Breuer durch seine Arbeit mit der Patientin Bertha Pappenheim, die an verschiedenen nervlich-psychischen Störungen litt. Die Frau zeigte typische Symptome der Hysterie: Lähmungen und Verlust der Hautsensibilität, Persönlichkeitsspaltung, Aggressionsanfälle und nervösen Husten. Einige Sitzungen mit Bertha führten dazu, dass der Arzt die Tatsache aufdeckte, dass Hysterie mit traumatischen Erlebnissen aus der Vergangenheit zusammenhängt. Das bedeutete, um die Krankheit zu heilen, mussten die negativen Erinnerungen unter Hypnose wiederbelebt werden. Diese Methode nannte Josef die kathartische Methode.
Während der Therapie befand sich die Patientin aufgrund erhöhter Suizidgefahr ständig in einer Klinik in der Nähe von Wien. Trotz des Erfolgs der Methode zeigten sich bei Bertha weiterhin einige Krankheitsmanifestationen wie Wortfindungsstörungen und eine Trigeminusneuralgie, die eine sofortige Behandlung mit Morphin erforderte. Aufgrund dieser Symptome musste Breuer Pappenheim zur Behandlung an einen Therapeuten im Sanatorium „Bellevue“ überweisen. Im Oktober 1882 wurde die Frau mit Besserungen entlassen.
1882 besprach Josef diesen Fall mit Sigmund Freud. Daraufhin begann dieser, die Methode bei seinen eigenen Patienten anzuwenden. 1893 veröffentlichten Freud und Breuer einen gemeinsamen Vortrag mit dem Titel „Über den psychischen Mechanismus hysterischer Phänomene“. Zwei Jahre später folgte die Veröffentlichung der Arbeit „Studien über Hysterie“, die den Grundstein für diesen Bereich der Psychiatrie legte.
Vor seinem Tod verfasste Breuer ein Testament, in dem er darum bat, nicht in einem Grab beerdigt, sondern eingeäschert zu werden. 1925 verstarb der Arzt im Alter von 83 Jahren und hinterließ Werke, die auch heute noch von Bedeutung sind.