Im Jahr 1679 mussten die Wiener gegen einen unsichtbaren Feind kämpfen, der mit Waffen nicht zu besiegen war – die Pest. Von allen Epidemien, die Wien heimsuchten, war diese die schrecklichste. Mehr dazu auf der Webseite ivienna.info.
Über Jahrhunderte hinweg versetzte die Pest, im Volksmund als „der Schwarze Tod“ bekannt, die Menschen in Angst und Schrecken. Niemand war vor ihr sicher, egal ob Adliger oder Bettler.
Menschliches Handeln als Ursache
Zur Zeit der Epidemie waren die hygienischen Bedingungen in Wien katastrophal. Sie bildeten den idealen Nährboden für die Ausbreitung von Seuchen. Zudem war die Einwohnerzahl in der Stadt und den Vororten bis 1679 stark angestiegen (70.000 Menschen).
In Wien gab es viele Gerbereien, in denen Vieh gehalten und geschlachtet wurde. Ihre Tätigkeiten führten zu stark verschmutzten Abwässern. Krankheitsüberträger waren auch Soldaten aus befreundeten Ländern, die den Wienern im Kampf gegen die Osmanen halfen, sowie Einwanderer, die zur Weinlese nach Wien kamen.
Eine große Gefahr für die Menschen stellten die zahlreichen Hausbrunnen dar, deren Wasser durch Fäkalien aus den Senkgruben verunreinigt war. Als die Stadtverwaltung erkannte, dass dringend gehandelt werden musste, forderte sie die Bürger auf, keinen Müll und keine Tierkadaver auf die Straße zu werfen. Doch niemand hörte darauf, da dies gängige Praxis war.
Diese nachlässige Haltung gegenüber der Umwelt und die mangelnde Hygiene führten immer wieder zu Pestausbrüchen, die jedoch nicht so verheerend waren wie der letzte. Übrigens, als die Krankheit erstmals ausbrach, begannen die Wiener, die Juden zu beschuldigen, sie hätten die Brunnen vergiftet und so die Epidemie ausgelöst. Zu dieser Zeit lebte jedoch kein einziger Jude in Wien.
Die Rettung von Leben

Sobald die ersten Krankheitsfälle in der Stadt bekannt wurden, begannen die Menschen, Masken zu tragen, in der Hoffnung, sich so vor der Pest zu schützen. Viele nahmen verschiedene Mittel aus der Apotheke ein, doch all das war vergebens. Sie litten unter Muskelschmerzen, Schwäche, Übelkeit und Erbrechen. Die kaiserliche Familie und der größte Teil des Hofes verließen die Stadt. Leopold I. floh auf Umwegen nach Prag.
In den Vororten Wiens wurden spezielle Lazarette eingerichtet, in denen infizierte Bürger untergebracht wurden. Eines davon befand sich in St. Marx, wo die Kranken von Mönchen des Lazarus-Ordens gepflegt wurden.
Auf dem Höhepunkt der Epidemie glichen die Straßen Wiens einer Szene aus einem Horrorfilm. Man kam mit dem Begraben der Toten nicht nach; Leichen lagen wochenlang auf den Straßen. Um das Chaos zu bewältigen, zwang die Stadtverwaltung Häftlinge, die Leichen zu beerdigen.
Da es nicht mehr möglich war, einzelne Gräber auszuheben, wurden die Verstorbenen in Massengräber geworfen und mit ungelöschtem Kalk bedeckt.
Was die Analysen zeigen

Im August 1679 starben in Wien etwa 2.000 Menschen. Ihren Höhepunkt erreichte die Epidemie im Herbst mit rund 3.000 Todesfällen. In den erhaltenen Aufzeichnungen sind 7.196 Pestopfer identifiziert, doch die Gesamtzahl dürfte weitaus höher liegen. Schätzungen, die auch die Sterblichkeit in den umliegenden Gebieten Wiens berücksichtigen, gehen von 30.000 bis 50.000 Opfern aus.
Moderne Analysten behaupten, die Pest habe das Leben von rund 140.000 Stadtbewohnern gefordert. Diese Zahl ist höchstwahrscheinlich etwas übertrieben, zeugt aber dennoch von einem Massensterben.
Erst mit Einsetzen des kalten Wetters zog sich die Epidemie zurück. Im April 1680 wurden die letzten Todesfälle verzeichnet. Bereits im Sommer 1680 fand am Graben eine große Zeremonie zur Einweihung einer hölzernen Dreifaltigkeitssäule statt, die heute als „Pestsäule“ bekannt ist. Sie erinnert an die schreckliche Epidemie, die die Menschen unbarmherzig dahinraffte.
Aus dieser Erfahrung zog die Stadtverwaltung gemeinsam mit den Ärzten Lehren und entwickelte Sicherheitsmaßnahmen gegen neue Ausbrüche. Dazu gehörten die Überprüfung von Einwanderern und die Schließung von Orten, an denen sich große Menschenmengen versammelten.
Nur durch gemeinsame Anstrengungen und die bittere Erfahrung konnten die Wiener den „Schwarzen Tod“ überwinden.