Heutzutage sind die Wienerinnen und Wiener es gewohnt, bei Krankheit Apotheken aufzusuchen, in denen es eine Fülle wirksamer Medikamente gibt. Doch vor einigen Jahrhunderten war das alles ganz anders. Damals waren Apotheken geheimnisvolle Orte. Mehr dazu auf der Website ivienna.info.
Die Anfänge der Pharmazie

Im Jahr 1241 trat in Europa erstmals der Beruf des Apothekers in Erscheinung. 1250 erließ Kaiser Friedrich II. ein Dekret, das die Apotheker zur Arbeit nach bestimmten Regeln verpflichtete. Darüber hinaus durfte eine Apotheke laut Befehl Seiner Majestät nur mit staatlicher Genehmigung eröffnet werden.
Einen großen Impuls für die Entwicklung der Pharmazie gab die Alchemie. Die Alchemisten versuchten nämlich, mit verschiedenen chemischen Substanzen das „große Elixier“ zu entwickeln, das den Menschen ewiges Leben ermöglichen sollte. Ihre experimentellen Arbeiten verbesserten die Pharmazie erheblich und erweiterten das Wissen der Apotheker im Bereich der Chemie. Dies bildete die Grundlage für die Weiterentwicklung der Pharmazie.
Allerdings gab es zu dieser Zeit keine universitäre Ausbildung für Pharmazeuten. Alle, die diesen Beruf ergreifen wollten, mussten Latein beherrschen und Erfahrung in einer Apotheke mitbringen. Mehr noch, ein Apotheker musste lesen können und ein umfassendes Wissen über Kräuter besitzen, da er Tinkturen und Heiltränke herstellen musste.
Womit beschäftigten sich die Apotheker?
Die Apotheker bemühten sich, ihren Laboratorien eine Atmosphäre des Geheimnisvollen und Wunderbaren zu verleihen. Sie umgaben sich mit exotischen Gegenständen: getrockneten Krokodilen und großen Schildkröten, die Hauptzutaten für ihre Mixturen waren. Auf den Etiketten, die auf die Gefäße geklebt wurden, war vermerkt, was sich darin befand, zum Beispiel Hörner von Nashörnern, Klauen von Elchen und anderes.
Alle hergestellten Essenzen wurden auf speziellen Holzregalen aufbewahrt. Bei der Arbeit wurden stets Waagen verwendet, die halfen, die Arzneien zu dosieren. In der Apotheke befand sich ein Tisch, auf dem die Bestellungen zubereitet wurden: Tinkturen, Salben und anderes. Es ist erwähnenswert, dass die Rezepte an niemanden weitergegeben wurden.
Neben der Arbeit mit Pflanzen mussten sich die Apotheker auch mit chemischen Forschungen befassen, da bald das chemische Laboratorium ihr neuer Arbeitsplatz wurde. Da die Pharmazie im Laufe der Zeit immer komplexer wurde, war es zu Beginn des 16. Jahrhunderts in Frankreich und Italien für die Ausübung des Berufs erforderlich, Vorlesungen an der Universität zu besuchen.
Im Jahr 1404 wurde eine der ersten Wiener Apothekerordnungen erlassen, die Anforderungen an die Apotheker enthielt: die Fähigkeit, Rezepte zu lesen, und Lateinkenntnisse. Darüber hinaus konnte ein Fachmann erst nach einer Ausbildung an einer medizinischen Fakultät und einer dort erfolgreich abgelegten Prüfung eine Anstellung finden.
Die ersten Wiener Apotheken

Im Jahr 1564 erließ Kaiser Ferdinand I. die erste Verordnung für Wien, die aus 26 Punkten bestand. Gemäß dieser durften in der Stadt nicht mehr als 10 Apotheken eröffnet werden.
Bemerkenswert ist, dass sich die Apotheken in Wien hauptsächlich in den Gegenden um den Graben und den Stephansplatz befanden, die im Volksmund als „Apothekerviertel“ bezeichnet wurden.
Anfang des 18. Jahrhunderts wurde das Wiener „Gremium pharmaceuticum“ gegründet. Dessen Hauptaufgabe war die Kontrolle der Arbeit der Apotheken sowie die Überwachung der Einhaltung von Regeln und Gesetzen.
Ab 1782 war es in Wien einem ausgebildeten und qualifizierten Fachmann erlaubt, eine eigene Apotheke zu eröffnen, wofür jedoch zuvor eine Genehmigung von der Stadtverwaltung eingeholt werden musste. Dies führte zu einer Zunahme der Anzahl der Apotheken in der Stadt.
Gegen Ende des 18. Jahrhunderts verbesserte sich das Erscheinungsbild der städtischen Apotheken. Im Zuge der großen Fortschritte in der Medizin veränderte sich die medikamentöse Therapie vollständig. Verschiedene bunte Dosen wurden verboten und durch schlichte, funktionale Glas- und Porzellangefäße ersetzt.
Nach wie vor bestand die Apotheke aus einem Raum, in dem Arzneien zubereitet und ausgegeben wurden. In dessen Mitte stand ein riesiger Tisch mit Waagen und kleinen Arbeitsgeräten.
An jeder Wand standen Schränke mit Schubladen, in denen bereits fertige Medikamente aufbewahrt wurden. In den angrenzenden Räumen befand sich die Materialkammer, wo die Vorräte an Zutaten für die Heiltränke gelagert wurden.
Mit jedem Jahr entwickelte sich die Pharmazie weiter, in Wien entstanden immer mehr Apotheken, und so haben die heutigen Einwohner die Möglichkeit, jegliche Krankheiten sicher zu behandeln.