10 Mai 2026

Geschichte des Wiener Rettungsdienstes

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Im Labyrinth der Wiener Gassen, wo einst nur das Klappern von Pferdehufen und das Läuten der Straßenbahnen zu hören war, entstand ein Dienst, der zum Symbol für sofortige Hilfe und Hoffnung inmitten des Unglücks werden sollte. Die Geschichte der Entwicklung des Rettungsdienstes in Wien ist nicht nur eine Chronik medizinischer Innovationen, sondern auch eine fesselnde Erzählung über die Evolution menschlichen Mitgefühls, über das Bestreben, Schmerzen zu lindern und in jedem kritischen Moment Leben zu retten. Von den ersten unbeholfenen Karren bis zu den modernen, hochtechnologischen Rettungsfahrzeugen ist dieser Weg geprägt von den heroischen Anstrengungen einzelner Enthusiasten ebenso wie von großangelegten städtischen Initiativen, die gemeinsam ein rettendes Netz schufen, ohne das das menschliche Leben heute kaum vorstellbar wäre. Mehr dazu auf ivienna.info.

Der Ringtheaterbrand und die Organisation des Rettungsdienstes

Eine schreckliche Tragödie erschütterte Wien am 8. Dezember 1881. Der verheerende Brand im Ringtheater forderte über vierhundert Menschenleben und offenbarte den dringenden Bedarf an organisierter und schneller Hilfe. Genau diese höllische Erfahrung wurde zum Katalysator für ein historisches Ereignis. Bereits am nächsten Tag, entschlossen, ähnliche Katastrophen in Zukunft zu verhindern, schlossen sich Graf Hans Wilczek, Baron Jaromir von Mundy und Ernst Lamezan-Salins zusammen und gründeten die Wiener Freiwillige Rettungsgesellschaft (WFRG). Diese Initiative war der erste organisierte Rettungsdienst auf dem Gebiet von Österreich-Ungarn und leitete eine neue Ära in der Notfallmedizin ein.

Das Bestreben, Menschenleben zu retten, war jedoch für Wien und ganz Europa nichts völlig Neues. Schon im Mittelalter übernahmen verschiedene Ritterorden wie die Johanniter, die Malteser, die Templer und der Deutsche Orden die wichtige Aufgabe der Ersten Hilfe sowohl in Kriegs- als auch in Friedenszeiten. Später, im 18. Jahrhundert, erließ Kaiserin Maria Theresia 1769 ein spezielles Patent, das Anweisungen zur Hilfeleistung für Unfallopfer enthielt und sogar Belohnungen für erfolgreiche Rettungsaktionen vorsah. Ihr Sohn und Nachfolger Joseph II. setzte dieses wichtige Werk fort, indem er ähnliche Verordnungen erließ.

Inbetriebnahme von 11 neuen Sanitätswagen, 30. Juni 1950
(Inbetriebnahme von 11 neuen Sanitätswagen, 30. Juni 1950)

Die Entstehung der ersten Rettungseinrichtung

Der Beginn des 19. Jahrhunderts war in Wien durch die Gründung der ersten „Rettungsanstalt“ im Jahr 1803 gekennzeichnet, die für viele andere europäische Länder zu einem Vorbild wurde und die Bedeutung einer zentralisierten Hilfsorganisation demonstrierte. Im Jahr 1830 übernahmen die „Chirurgischen Offizinien“ die Rettungsdienste, was das Verständnis für die Notwendigkeit medizinischer Qualifikation in diesem Bereich zeigte. Das Sanitätsgesetz von 1870 brachte jedoch einige Änderungen mit sich und übertrug die Verantwortung für die Organisation der Rettungsdienste auf die Ebene der Länder und Gemeinden.

Dennoch waren es der schreckliche Brand im Ringtheater und die sofortige Reaktion von Jaromir von Mundy, Graf Hans Wilczek und Ernst Lamezan-Salins, die 1881 zur Gründung der effektiven und organisierten „Wiener Freiwilligen Rettungsgesellschaft“ führten. Es ist erwähnenswert, dass es auch schon früher einzelne Initiativen gab, so wurde beispielsweise in Klagenfurt bereits 1866 eine „Rettungsabteilung“ gegründet.

Rettungswagen, Wien, 1909
(Rettungswagen, Wien, 1909)

Die Evolution des Wiener Rettungsnetzes

Im Herzen des kaiserlichen Wiens, wo das Kopfsteinpflaster noch das Klappern der Habsburgerkutschen kannte, fand am 1. Mai 1883 eine unauffällige, aber äußerst wichtige Eröffnung statt. An der Adresse Fleischmarkt 1 öffnete die erste Sanitätsstation der Wiener Freiwilligen Rettungsgesellschaft ihre Türen. Nur wenige Stunden vergingen, und das Schicksal stellte den neu geschaffenen Dienst bereits auf die Probe – schon am nächsten Tag wurde er zur dringenden Hilfeleistung für Verletzte gerufen, deren Namen in der Geschichte verloren gegangen sind, deren Schmerz aber zum ersten Zeugnis für die Notwendigkeit und Rechtzeitigkeit dieser Initiative wurde.

Nur zwei Jahre später machte das Wiener Rettungsnetz einen weiteren wichtigen Schritt. Im Jahr 1885 wurde unweit der prachtvollen Wiener Staatsoper, in der eleganten Giselastraße 1 (heute Bösendorferstraße), die zweite Sanitätsstation eröffnet. Nun war die Hilfe noch näher und die Reaktionszeit auf Notfälle noch kürzer.

Aber wie konnte man einen Arzt schnell durch die verwinkelten Gassen und über die belebten Plätze zu demjenigen bringen, der Hilfe benötigte? Im Jahr 1886 fand Wien eine ausgezeichnete Lösung. An zwanzig strategisch wichtigen Orten der Stadt wurden speziell ausgestattete Punkte eingerichtet. Diese „Rettungsposten“ wurden zu den Arterien der Stadt, bereit, Kranke und Verletzte unverzüglich zur nächsten Sanitätsstation zu transportieren und dabei Entfernungen zu überwinden, die zu Fuß im Angesicht des Unglücks unendlich schienen.

Eröffnung einer Rettungsstation, 9. Oktober 1948
(Eröffnung einer Rettungsstation, 9. Oktober 1948)

Mit dem Anbruch des neuen Jahrhunderts trat Wien in eine Ära des technischen Fortschritts ein, die auch den Rettungsdienst nicht unberührt ließ. Die Inbetriebnahme der Wiener Stadtbahn war nicht nur eine Revolution im Verkehrssystem, sondern schenkte der Stadt auch ein einzigartiges Instrument zur Hilfeleistung bei Großkatastrophen. Im Jahr 1900 wurde ein spezieller Sanitätswaggon auf die Schienen gesetzt. Ausgestattet mit acht Betten und einer kompletten medizinischen Ausrüstung war dieses mobile Spital auf Rädern bereit, an den Ort jedes Eisenbahnunglücks zu eilen und wurde zum Symbol für die Bereitschaft der Stadt, jeder Herausforderung zu begegnen.

Der wahre Durchbruch erwartete Wien jedoch im Jahr 1905. An der zentralen Sanitätsstation erschien ein Prachtstück, das nach frischer Farbe und Benzin roch – das erste Automobil der Rettung. Hergestellt von der österreichischen Firma Daimler in Wiener Neustadt, wurde dieses selbstfahrende Gefährt zur Verkörperung von Geschwindigkeit und Mobilität. Nun konnten Ärzte weite Strecken in wenigen Minuten zurücklegen und Patienten dort erreichen, wo man früher Stunden gebraucht hätte. Die Ära der Pferdekutschen ging zu Ende und machte Platz für eine neue Ära der mechanisierten schnellen Hilfe, die gerettete Leben und neue Hoffnung für jeden versprach, der auf den Straßen des schönen Wiens in Not geriet.

Rettungswagen, Wien, 1954
(Rettungswagen, Wien, 1954)

Der Wiederaufbau des Wiener Rettungsdienstes nach dem Krieg

Nach Kriegsende 1945 existierte der städtische Rettungsdienst praktisch nicht mehr; von über 80 Fahrzeugen war nur noch ein einziges übrig. Daher mussten die Retter Handkarren und Tragen verwenden. Anfang 1947 erhielt die Stadt von den britischen Besatzungstruppen 28 Sanitätswagen. Lange Zeit dienten ausgemusterte Armeefahrzeuge aus den Beständen Großbritanniens und der USA als Sanitätswagen. Im Jahr 1950 erhielt die Stadt von der Bundesrepublik Deutschland elf moderne Rettungsfahrzeuge.

Die erste nach dem Krieg eröffnete Rettungsstation befand sich in Inzersdorf, sodass es ab dem 9. Oktober 1948 insgesamt sechs solcher Stationen in der Stadt gab. Die Zentrale befand sich in der Radetzkystraße 1 im 3. Bezirk, und es gab Außenstellen in Mariahilf, Penzing, Ottakring und Floridsdorf. Im Jahr 1950 wurde in der Brigittenau (20., Gerhardusgasse 1-5) eine Sanitätsstation eröffnet, die acht Rettungswagen beherbergte.

Trotz aller Einschränkungen nahm im Winter 1946 im Raum Wien ein Unfallrettungsdienst für den Wintersport seine Tätigkeit auf. Er wurde von einer Arbeitsgemeinschaft zur Organisation und Durchführung des Unfallrettungsdienstes des Wintersports (WUD) unter der Leitung des Österreichischen Bergrettungsdienstes organisiert. An schneereichen Sonntagen waren über 400 Freiwillige im Einsatz, einige von ihnen im Dauerdienst. Im folgenden Jahr stand ein Rettungsteam von 200 Personen zur Verfügung, das auf 20 Hilfsplätze verteilt war. Das Rote Kreuz stellte zwei Rettungswagen zur Verfügung. Bis 1949 war das Netz auf 30 Stationen angewachsen, wo 270 Freiwillige 91 Unfallopfer versorgten.

Übergabe von Schweizer Sanitätswagen, November 1946
(Übergabe von Schweizer Sanitätswagen, November 1946)

Hauskrankenpflege

Ab März 1947 gab es die „Wiener Hauskrankenpflege“, die sich um die Betreuung von hilfsbedürftigen Menschen kümmerte, die nicht ins Krankenhaus eingewiesen werden konnten. Der Verein bezahlte das Gehalt von qualifizierten Krankenschwestern und Helferinnen und schickte sie zu den Kranken nach Hause.

Heutzutage werden Rettungseinsätze in Wien und in ganz Österreich von einer ganzen Reihe von Organisationen durchgeführt, darunter das Österreichische Rote Kreuz, die Johanniter-Unfall-Hilfe, der Malteser Hospitaldienst Austria, der Bergrettungsdienst sowie die Wasserrettungsdienste, der Arbeiter-Samariter-Bund und andere. Darüber hinaus spielen Polizei und Feuerwehr eine wichtige Rolle bei der Durchführung von Rettungsarbeiten und demonstrieren die gemeinsamen Anstrengungen verschiedener Dienste, um die Sicherheit und Hilfe für die Bevölkerung zu gewährleisten.

Quellen: www.geschichtewiki.wien.gv.at, utppublishing.com, www.hmpgloballearningnetwork.com, austria-forum.org, www.voluntariness.org 

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