9 Februar 2026

Reitsport in Wien: Über die Geschichte und die Liebe zu Pferden

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Wien, eine Stadt mit jahrhundertelanger Geschichte und kaiserlicher Pracht, war schon immer für ihre Liebe zu Pferden bekannt. Der Reitsport ist hier nicht nur eine Freizeitbeschäftigung, sondern ein Teil des kulturellen Erbes, das tief in die Vergangenheit reicht. Von den kaiserlichen Stallungen bis zu modernen Reitvereinen bietet Wien eine einzigartige Möglichkeit, in eine Welt voller Eleganz und Anmut einzutauchen – eine Welt, in der Mensch und Pferd stets Seite an Seite stehen. Mehr auf ivienna.info.

Die Anfänge der Pferdezucht in Wien

Seit jeher spielten Pferde eine wichtige Rolle im Leben Wiens. Seit dem Mittelalter waren sie nicht nur ein unentbehrliches Transportmittel, sondern auch ein Statussymbol und eine Unterhaltung für die Wiener. Der Einsatz von Pferden bei Turnieren und Rennen verlieh der Stadt eine festliche Atmosphäre.

Ihren historischen Höhepunkt erreichte die Rolle der Pferde während des Wiener Kongresses 1814/15, als für die zahlreichen Veranstaltungen in der Metropole mehrere tausend Pferde benötigt wurden. Kaiserin Maria Theresia förderte die heimische Pferdezucht durch die Herausgabe des sogenannten „Prager Patents“.

Zeugnisse der hochentwickelten Pferdekultur des Kaiserhofes in Wien sind die Reiterporträts der Herrscher und die Spanische Hofreitschule. Ende des 19. Jahrhunderts gab es in Wien rund 200.000 Pferde, was ihre Bedeutung im täglichen Leben der Stadt unterstreicht.

Die Trabrennen in der Krieau (Prater) und die Wiener Fiaker im Stadtzentrum sind zu einem festen Bestandteil des Kulturerbes Wiens geworden. Ihre Beliebtheit bei Touristen unterstreicht die Bedeutung der Pferde in der Geschichte der Stadt. Diese Geschichte erinnert an die wichtige Rolle der Pferde bei der Entwicklung Wiens zu einer Metropole. Ohne diese Tiere wäre die Entwicklung der Stadt nicht möglich gewesen.

(Vienna LM Western Riding Meisterschaft, 2024)

Die Spanische Hofreitschule in Wien

Die Geschichte der Spanischen Hofreitschule in Wien reicht weit in die Vergangenheit zurück und hat bis heute ihre Einzigartigkeit und Beliebtheit bewahrt. Als Winterreitschule in der kaiserlichen Hofburg gegründet, zieht sie sowohl Einheimische als auch Touristen aus aller Welt an.

Die Zucht der Lipizzaner ist mit Maximilian II. verbunden, der 1562 die Zucht andalusischer Pferde begründete. Sein Werk wurde von Erzherzog Karl II. fortgesetzt, der 1580 das Gestüt in Lipica im heutigen Slowenien gründete. Die örtlichen Bedingungen erwiesen sich als äußerst günstig für die Entwicklung der Rasse. Die nährstoffarmen Gräser der Karstlandschaft trugen zur Stärkung der Knochenstruktur der Pferde bei, was sie widerstandsfähig und robust machte. Lipizzaner, die den hohen Schönheitsidealen entsprachen, wurden für den Wiener Hof besonders wertvoll.

Die 1572 gegründete Spanische Hofreitschule wurde zum Hauptabnehmer der Lipizzaner. Der Name der Schule leitet sich von den spanischen Pferden ab, die seit langem für ihre Meisterschaft in der klassischen Reitkunst berühmt waren. Die Lipizzaner-Rasse, benannt nach dem ersten Gestüt in Lipica, wurde speziell gezüchtet, um die Hohe Schule der Reitkunst zu demonstrieren, deren Wurzeln bis in die Zeit des antiken Griechenlands zurückreichen. So wurden die Lipizzaner zu einem lebendigen Symbol für höfischen Prunk und kulturelle Traditionen in Wien.

(Spanische Hofreitschule, Wien)

Die ersten Pferderennen in Wien

Die Anfänge des Pferdesports in Wien gehen auf das Ende des 18. Jahrhunderts zurück, als am 16. August 1778 in der Hauptallee das erste Rennen nach englischem Vorbild stattfand. Dieses Ereignis, angekündigt von Martin Pechtel im „Wiener Diarium“, markierte den Beginn von Pferderennen nach englischem und französischem Modell.

Später, am 19. Mai 1784, organisierten die Engländer Hyam, Price und Massen, die als Reitlehrer in Wien tätig waren, ihre eigenen Rennen. Die in aristokratischen Kreisen verbreiteten anglophilen Strömungen trugen zur Popularisierung der Pferderennen bei, die ab 1787 auf einer Wiese im Prater stattfanden.

Anfangs wurden die Rennen von Engländern organisiert, doch ab Mai 1787 übernahmen österreichische Pferdeliebhaber die Organisation. In dieser Zeit wurden nur Flachrennen ausgetragen. Es wird vermutet, dass Kaiser Joseph II. die Rennen verbot, da die nächsten dokumentierten Rennen erst am 17. April 1816 auf der Simmeringer Haide stattfanden.

(Balthasar Wigand, Gravur eines Renntages in Wien, Simmeringer Haide, 1816)

Die Wiederbelebung des Pferdesports

Ab 1816 begannen die Pferderennen einen organisierten Charakter anzunehmen. Ihr Nutzen für die Pferdezucht und der sportliche Aspekt trugen zur Wiederbelebung dieser Sportart bei. Das Haus Liechtenstein spielte eine bedeutende Rolle bei der Entwicklung der Pferderennen im Vormärz, und Graf István Széchenyi trug zu ihrer Popularisierung bei.

Am 30. März 1826 veranstaltete das „Wiener Wett- und Renn-Comité“ das erste öffentliche Pferderennen mit Totalisatorbetrieb. Bis 1837 nahmen an den Rennen an vier bis fünf Tagen zwischen 27 und 51 Pferde teil. 1837 stellte das „Wiener Wett- und Renn-Comité“ seine Tätigkeit ein und wurde von der „Wiener Pferderennen-Gesellschaft“ abgelöst, die die Rennen bis 1853 organisierte.

(Rennstatistik der ersten 12 Jahre des „Wiener Wett- und Renn-Comités“)

Die Verlegung des Flussbettes des Donaukanals im Jahr 1832 führte zur Verlegung der Rennbahn nördlich des Kanals, in die Freudenau. Ab 1838 spielte bei den Rennen eine Militärkapelle, und ab 1839 fanden sie auf der Fleischhackerwiese statt, wo später die Galopprennbahn Freudenau erbaut wurde. In den Jahren 1849 und 1855-1857 fanden keine Rennen statt. 1857 wurde die „Central-Association“ gegründet, und von 1858 bis 1868 organisierte der „Wiener Renn-Verein“ die Rennen.

1866 wurde der „Jockey-Club“ gegründet, der sich 1869 mit der Wettrenn-Gesellschaft zusammenschloss und die Rennen bis 1931 organisierte. Mit der Entwicklung des Pferdesports in Wien entstanden neue Wettbewerbe, von denen einige bis heute erhalten sind. Der Erste Weltkrieg und die Wirtschaftskrise führten zu Veränderungen in der Organisation der Pferderennen. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der „Jockey-Club“ wiederbelebt, und die Rennen wurden wieder aufgenommen.

(Wien Museum, Lithografie eines Rennens im Oktober 1833)

Die Pflege der Pferde in Wien

In Wien sind Pferde nicht nur Tiere, sondern wahre Freunde, die mit besonderer Aufmerksamkeit und Liebe gepflegt werden. Dies gilt insbesondere für die Lipizzaner, die weißen Schönheiten, die im Herzen der Stadt, in der kaiserlichen Hofburg, leben. Der Tag der Lipizzaner beginnt früh, um sechs Uhr morgens. „Hier werden unsere Hengste gefüttert, geputzt und aus dem Stall geführt“, erzählt Andreas Hausberger, Oberbereiter der Spanischen Hofreitschule. In Wien, in der Hofburg, leben 74 weiße Hengste, von denen jeder tägliche Pflege benötigt. Um sieben Uhr morgens beginnt das Training, das Übungen im benachbarten Burggarten und auf der größten überdachten Freiführanlage der Welt in der Sommerreitschule umfasst. Das Mittagessen für die Pferde ist um 13:00 Uhr, das Abendessen um 17:00 Uhr.

In Wien, wo historisches Erbe auf moderne Pferdezucht trifft, werden Pferde mit besonderem Respekt behandelt. „Das klassische Ausbildungssystem des Pferdes basiert auf der freiwilligen Mitarbeit des Tieres und dem systematischen Training der gesamten Muskulatur, was es ihm ermöglicht, die schwierigsten Übungen über viele Jahre hinweg verletzungsfrei auszuführen. Wissenschaftliche Erkenntnisse in der Pferdezucht und im Training spielten in der Kaiserlichen Hofreitschule immer eine wichtige Rolle und wurden zum Wohle der Pferde angewendet“, betont Hausberger.

(Sommerreitschule der Spanischen Hofreitschule, Wien)

Für das Wohlbefinden der Lipizzaner wird rund um die Uhr, sieben Tage die Woche gesorgt. Stallmeister, Tierärzte, Manualtherapeuten, Futterexperten, Sattler, Schmiede, Stallburschen und natürlich die Bereiter selbst – sie alle arbeiten daran, dass die weißen Superstars gesund und glücklich sind.

Quellen: www.ganz-wien.at, www.geschichtewiki.wien.gv.at, www.oeaw.ac.at, rennverein.at, www.reitenwien.at, www.wien.info

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