Wien, die Stadt der Walzer und imperialen Pracht, birgt eine weitere, nicht minder faszinierende Geschichte – die der Entstehung der Fahrradbewegung. Ende des 19. Jahrhunderts tauchten auf den gepflasterten Straßen und zwischen den eleganten Gebäuden die ersten Radfahrer auf, die sich später in Radsportvereinen zusammenschlossen und spektakuläre Rennen organisierten. Es war eine Ära kühner Experimente, technischer Innovationen und einer wahren Liebe zur Geschwindigkeit. Mehr dazu auf ivienna.info.
Die ersten Fahrräder in Wien
In Wien, nur ein Jahr nachdem Karl Freiherr Drais von Sauerbronn 1817 den ersten Prototyp des Fahrrads erfunden hatte, präsentierte die Firma „Anton Burg & Sohn“ bereits eine vereinfachte Version davon. Um 1860 machten die französischen Ingenieure, die Brüder Pierre und Ernest Michaux, einen bedeutenden Fortschritt in der Entwicklung dieses Verkehrsmittels, indem sie es mit einem Pedalantrieb ausstatteten. Ihr „Vélocipède“ besaß ein Vorderrad mit Kurbelantrieb, Pedale und eine Bremse. Ab 1869 wurden ähnliche Modelle auch in Wien hergestellt, wobei sich unter den bekannten Handwerkern Karl Lenz und Friedrich Maurer hervortaten.
Um 1880 erreichte die in England entstandene Mode der Hochräder auch Wien. Die 1880er Jahre wurden zu einer Periode rasanter Entwicklung des Fahrradverkehrs. Wichtige technische Verbesserungen dieser Zeit waren Kugellager, modernisierte Naben, Pedale, Metallfelgen und -speichen sowie Vollgummireifen, was die Verbreitung verschiedener Fahrradtypen förderte.
Neben den klassischen Hochrädern gewannen zu dieser Zeit auch dreirädrige Modelle mit zwei Hinterrädern an Popularität. Mitte des Jahrzehnts wurde eine weitere Innovation entwickelt – das „Sicherheitsrad“, das mit einem niedrigen Rad und einem Kettenantrieb ausgestattet war und den heutigen Modellen wesentlich ähnlicher sah. Etwa ab 1891 kamen auf österreichischem Gebiet aktiv die Luftreifen der Firma Dunlop zum Einsatz, was einen weiteren wichtigen Meilenstein in der Entwicklung des Fahrrads darstellte.

Die ersten Radsportvereine der Stadt und Publikationen für Radfahrer
Der erste Verein, der das neue Verkehrsmittel popularisierte, war der „Vienna Vélocipède Club“, der im September 1869 gegründet wurde. Genau dieser Verein organisierte das erste dokumentierte Radrennen in Wien, das am 29. Mai 1870 auf der Feuerwerkswiese im Prater stattfand. Die ersten Rennen auf Hochrädern wurden am 11. Juni 1882 auf der Bahn hinter der Rotunde ausgetragen.
Anfang der 1880er Jahre entstanden in Wien zahlreiche Radsportvereine, darunter:
- „Wiener Bicycle-Club“ (1881).
- „Wiener Tricycle-Club“ (1882).
- „Wiener Radfahr-Club“ (1883).
- „Die Wanderer“ (1883).
Mitglieder dieser Vereine waren hauptsächlich Kaufleute, Geschäftsleute, Beamte und Angestellte sowie Vertreter der Aristokratie, darunter Hanns Bogatta und Eduard Engelmann. Ende 1883 gab es in der österreichisch-ungarischen Monarchie zehn Radsportvereine, und 1886 waren es allein in Wien bereits acht. Im Jahr 1889 war „Die Wanderer“ der erste Wiener Radsportverein, der eine eigene Zeitschrift herausgab, und 1896 wurde ein Handbuch für Radfahrer veröffentlicht.
1894 wurde der Radfahr-Club „Währinger“ gegründet, der eine Trainingsstrecke auf der Türkenschanze errichtete. Später, im Jahr 1898, pachtete der Club von Fürst Czartoryski einen Teil des „Fürstenparks“ und richtete dort die Währinger Radrennbahn ein.
Der Vereinspavillon des Radfahr-Clubs in der Rustenschacherallee 7 wurde 1898 nach einem Entwurf von Joseph Maria Olbrich erbaut, der zu dieser Zeit im Atelier von Otto Wagner tätig war. Dieses Bauwerk, ein Beispiel für Olbrichs funktional flexible Pavillonarchitektur, steht möglicherweise im Zusammenhang mit den Entwürfen für die pavillonartigen Haltestellen der Stadtbahn.

Erste Rennen und Fahrradausstellungen
Am 3. Oktober 1886 fand auf der Bahn des „Wiener Bicycle-Clubs“, die sich in der heutigen Lassallestraße befand, die Klubmeisterschaft des „Wanderer“-Clubs statt. Den Sieg in diesem Rennen errang Hanns Bogatta.
Im selben Jahr fand in Wien die „Erste Wiener Fahrrad- und Sportartikelausstellung“ statt, die Liebhaber von Sport und technischen Neuheiten anzog. Und am 21. November 1887 wurde die Hauptversammlung des „Deutschen Radfahrer-Bundes“ abgehalten.
Bis 1888 hatte sich die Fahrradbewegung in Wien erheblich ausgeweitet – in der Stadt gab es bereits 13 Radsportvereine mit rund 700 Mitgliedern.

Die Verdrängung des Fahrrads und seine Wiedergeburt
Mit der zunehmenden Popularität des Automobils nach dem Ersten Weltkrieg verlor das Fahrrad in Wien allmählich seine Bedeutung als Hauptfortbewegungsmittel. 1934 führte die Stadtverwaltung eine Fahrradsteuer ein, was in der Bevölkerung für Unmut sorgte. Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten wurde diese Steuer jedoch wieder abgeschafft.
Nach dem Zweiten Weltkrieg war die städtische Infrastruktur vollständig auf den Autoverkehr ausgerichtet. Obwohl Fahrräder, besonders in den ersten Nachkriegsjahren, beliebt blieben, wurden sie nach und nach von den Straßen der Stadt verdrängt. In den 1950er Jahren nahm ihre Rolle im Verkehrssystem der Stadt erheblich ab.
Die damalige Stadtplanung konzentrierte sich auf die Entwicklung des Autoverkehrs, während das Fahrrad als Hindernis für den fließenden Verkehr und als Gefahr für Fußgänger angesehen wurde. Zudem wurde das Fahrrad in Wien, anders als in nordeuropäischen Ländern, mit Armut und nicht mit einem bürgerlichen Lebensstil assoziiert.
Bis in die 1960er Jahre war das Fahrrad praktisch aus dem Stadtbild verschwunden. Erst in den 1980er Jahren, mit dem Aufkommen der Umweltbewegung, erlebte das Fahrrad als umweltfreundliches und praktisches Fortbewegungsmittel eine Renaissance. 1983 verabschiedete die Stadtverwaltung ein Konzept zur Entwicklung der Fahrradinfrastruktur, was zur Schaffung eines Netzes von Radwegen führte.
Seitdem wird die Fahrradinfrastruktur in Wien kontinuierlich ausgebaut. Die Anzahl der Radwege, Fahrradabstellplätze und Verleihstationen nimmt stetig zu. Das Fahrrad wird wieder zu einem beliebten Verkehrsmittel in der Stadt.

Wo kann man in Wien ein Fahrrad mieten?
Wien ist eine Stadt, in der das Fahrrad als Verkehrsmittel immer beliebter wird. Hier gibt es zahlreiche Möglichkeiten, Fahrräder für jeden Geschmack und Bedarf zu mieten. Zu den Organisationen, die Fahrradverleihdienste anbieten, gehören:
- „Swapfiets“
- „EDDI Bike“
- „WienMobil Räder“
- „Hochschaubahn“
- „Velopold Vienna“
- „ListnRide“
- „Copa Beach“
- „Grätzlräder Wien“ und andere.
Allgemeine Regeln für die Fahrradnutzung

Vor dem Mieten eines Fahrrads sollte man sich mit den Mietbedingungen und den Verkehrsregeln vertraut machen. Während der Fahrt müssen die Verkehrsregeln und -schilder beachtet werden. Das Fahrrad muss pünktlich und in ordnungsgemäßem Zustand zurückgegeben werden. Bei Schäden am Fahrrad ist der Vermieter umgehend zu informieren.
In manchen Fällen kann die Leistung einer Kaution erforderlich sein.
Wien bietet Touristen und Einheimischen eine breite Auswahl an Fahrradverleihdiensten, von denen jeder seine eigenen Besonderheiten hat. Wer eine langfristige Nutzung plant, für den bieten „Swapfiets“ und „EDDI Bike“ Abo-Modelle an. Für kurze Fahrten durch die Stadt ist „WienMobil Räder“ – das städtische Leihradsystem mit festen Stationen – besonders praktisch.
Wer Abwechslung sucht, wird bei „Hochschaubahn“ und „Copa Beach“ fündig, wo man Fahrräder für jeden Geschmack findet – von normalen Citybikes bis hin zu Tandems und Mountainbikes. Liebhaber von E-Bikes und Trekkingrädern sollten sich „Velopold Vienna“ ansehen. Und wer ein Fahrrad direkt von Einheimischen mieten möchte, für den ist „ListnRide“ eine ausgezeichnete Wahl. Für den Transport von Lasten kann man den kostenlosen Verleih von Lastenrädern von „Grätzlräder Wien“ nutzen.
Unabhängig von den individuellen Bedürfnissen ist das Mieten eines Fahrrads in Wien eine wunderbare Möglichkeit, die Stadt zu erkunden und ihre Schönheit zu genießen.
Quellen: www.1000things.at, www.ganz-wien.at, www.geschichtewiki.wien.gv.at, www.fahrradwien.at, www.wien.gv.at