In Wien, wo einst die Walzer von Strauss erklangen und die Geheimnisse des Kaiserhofs geflüstert wurden, entfaltete sich eine andere, nicht minder wichtige Geschichte – die Geschichte der Geburt. Ein Blick in die Vergangenheit der Wiener Geburtshilfe ist wie das Öffnen einer Schatulle voller Geheimnisse, in der sich Volksglaube, erste wissenschaftliche Durchbrüche und verzweifelte Versuche verflechten, Frauen im wichtigsten Moment ihres Lebens zu helfen. Diese Erzählung handelt vom Mut der Gebärenden, von der Intuition der Hebammen, von den ersten Versuchen der Ärzte, in das Mysterium der Geburt einzugreifen, und vom langen Weg Wiens, sich zu einem der weltweit führenden Zentren der geburtshilflichen Versorgung zu entwickeln. Mehr dazu auf ivienna.info.
Die Etablierung der Geburtshilfe in Wien
Wien spielte nicht nur im kulturellen und politischen Leben Europas eine herausragende Rolle, sondern auch bei der Etablierung der modernen Medizin. Besonders bedeutsam ist die Geschichte der Geburtshilfe in dieser Stadt, die im Kampf gegen die schrecklichen postpartalen Komplikationen und bei der Einführung lebenswichtiger Hygienestandards entscheidend war. Im 19. Jahrhundert war Wien unangefochtener Spitzenreiter in der medizinischen Ausbildung und Praxis, und sein berühmtes Allgemeines Krankenhaus beherbergte zwei getrennte Geburtskliniken: eine, in der hochqualifizierte Ärzte tätig waren, und eine andere, in der erfahrene Hebammen den Gebärenden halfen.
Doch leider überraschte die damalige Statistik durch ihren Kontrast: Die Sterblichkeitsrate unter den Frauen in der ersten, der ärztlich geleiteten Klinik, war erheblich höher als in der zweiten, der von Hebammen geführten. Im Zeitraum von 1840 bis 1846 erreichten die Todesfälle in der ersten Klinik einen erschreckenden Wert von 98,4 pro 1.000 Geburten, während dieser Wert in der zweiten Klinik nur 36,2 pro 1.000 betrug. Dieser eklatante Unterschied wurde zum Gegenstand intensiver Untersuchungen und der Suche nach den Ursachen für dieses tragische Ungleichgewicht.
Bereits in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts begann sich die Geburtshilfe in Wien zu wandeln und geriet allmählich unter die Kontrolle von Ärzten mit universitärer Ausbildung. Die Gründung spezialisierter Gebäranstalten markierte die Etablierung der Geburtshilfe als eigenständige medizinische Disziplin. Im Jahr 1789 unternahm Kaiser Joseph II. mit der Gründung einer Geburtsklinik am Allgemeinen Krankenhaus einen wichtigen Schritt. Die Leitung dieser Klinik hatte bis 1822 der herausragende Johann Lucas Boër inne, der zuvor fortschrittliche Erfahrungen in Holland, Frankreich und England gesammelt hatte.
Gerade in Wien übernahm Boër die Grundsätze der schonenden Geburtshilfe von Anton Johann Rechberger, dem Direktor des Spitals in St. Marx. Im Gegensatz zu der im 18. Jahrhundert weitverbreiteten Praxis des großzügigen Einsatzes der Geburtszange war Boër ein überzeugter Anhänger der natürlichen Geburt und griff nur in äußerst seltenen Fällen auf instrumentelle Hilfe (Anlegen der Zange, Wendungen, Perforationen) zurück. Er lehnte auch die Praxis vorbereitender reinigender Prozeduren ab, da er sie für überflüssig hielt.

Die Entstehung der Geburtsklinik
Im Jahr 1834 entstand in Wien eine weitere wichtige Institution – eine Geburtsklinik, die zum Zentrum für die Ausbildung qualifizierter Hebammen wurde. Darüber hinaus war die Josephinische medizinisch-chirurgische Akademie (Josephinum) stolz auf so renommierte Fachleute auf dem Gebiet der Geburtshilfe wie Wilhelm Josef Schmitt und Josef Späth, deren Arbeiten einen wesentlichen Beitrag zur Entwicklung dieser Wissenschaft leisteten. Insbesondere Wilhelm Josef Schmitt, der von 1804 bis 1826 den Lehrstuhl für Geburtshilfe leitete, erlangte als präziser Theoretiker Anerkennung, der die Indikationen für geburtshilfliche Eingriffe sorgfältig begründete.
Ab 1810 führte Boërs Schüler und Nachfolger, Johann Klein, die für die damalige Zeit innovative Praxis ein, Medizinstudenten nicht mehr an künstlichen Modellen, sondern an echten Leichnamen zu unterrichten. Diese fortschrittliche Idee hatte jedoch tragische Folgen. Da die Studenten nach dem Unterricht im Seziersaal oft ohne gründliches Händewaschen mit schwangeren Frauen in der Gebäranstalt in Kontakt kamen, stieg die Zahl der Todesfälle durch Kindbettfieber drastisch an. Nach der Trennung des Unterrichts für Ärzte und Hebammen in zwei verschiedenen Kliniken ab 1839 wurde dieser Zusammenhang statistisch evident, insbesondere in der ersten, ärztlich geleiteten Klinik.

Triumph und Tragödie des Ignaz Semmelweis
Im Jahr 1847 machte der ungarische Arzt Ignaz Semmelweis im Wiener Allgemeinen Krankenhaus eine einfache, aber revolutionäre Beobachtung, die die Welt der Medizin für immer verändern sollte. Als Assistent an der Ersten Gebärklinik bemerkte er eine schreckliche Gesetzmäßigkeit: Die hohe Sterblichkeitsrate unter den Wöchnerinnen hing direkt mit der mangelnden Händehygiene des medizinischen Personals zusammen.
Semmelweis stellte nicht nur die Tatsache fest, sondern suchte auch beharrlich nach einer Lösung. Seine Beobachtungen und sorgfältigen Experimente bewiesen überzeugend, dass die Ursache des tödlichen Kindbettfiebers die Übertragung von Infektionen durch die unsauberen Hände von Ärzten und Medizinstudenten war, die oft direkt aus der pathologischen Anatomie zu den Gebärenden kamen.
Als Reaktion auf diese beunruhigende Entdeckung führte Semmelweis eine obligatorische Maßnahme ein, die zwar elementar erschien, aber eine gewaltige Wirkung hatte. Er verpflichtete alle Assistenzärzte, vor jeder Untersuchung von Patientinnen die Hände mit einer wässrigen Chlorkalklösung gründlich zu waschen. Die Ergebnisse dieser einfachen Hygienevorschrift waren überwältigend: Die Sterblichkeitsrate in der ersten Klinik, die zuvor katastrophale 18 % erreicht hatte, sank rapide auf unter 2 %.
Doch leider fand die bahnbrechende Entdeckung von Semmelweis zunächst keine gebührende Anerkennung bei den führenden Ärzten der Klinik, trotz der Unterstützung so angesehener Persönlichkeiten wie Carl von Rokitansky und Ferdinand von Hebra. Konfrontiert mit der Ablehnung durch die akademische Welt und ohne die Möglichkeit, seine wissenschaftliche Karriere in Wien fortzusetzen, kehrte der enttäuschte Semmelweis in seine Heimatstadt Budapest zurück. Erst viel später, im Jahr 1858, wurden Medizinstudenten offiziell verpflichtet, ihre Hände vor dem Betreten der Gebäranstalt zu desinfizieren, was den endgültigen Triumph der Ideen von Ignaz Philipp Semmelweis und einen wichtigen Schritt auf dem Weg zu einer sicheren Mutterschaft darstellte.

Die Blütezeit der Wiener Gynäkologie zur Jahrhundertwende
An der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert erlebte die Wiener Gynäkologie eine wahre Blütezeit, die von bahnbrechenden Errungenschaften geprägt war. Bereits 1882 führte Karl Pawlik, während er vorübergehend die gynäkologische Abteilung der Wiener Poliklinik leitete, in der Klinik des berühmten Theodor Billroth erstmals eine Harnleiterkatheterisierung durch und eröffnete damit neue Möglichkeiten in Diagnostik und Behandlung. Rudolf Chrobak ging noch einen Schritt weiter und führte Methoden der Mikroskopie und der experimentellen Physiologie in die gynäkologische Praxis ein. Von Chrobak stammen auch die ersten Versuche gynäkologisch-endokrinologischer Forschungen, und er gilt zu Recht als Begründer der Wiener Schule der Geburtshilfe. Die Namen Rudolf Chrobak und Friedrich Schauta gingen nicht nur durch den Bau neuer Klinikgebäude zur Jahrhundertwende in die Geschichte ein, sondern vor allem durch ihre revolutionären Leistungen auf dem Gebiet der gynäkologischen Chirurgie.
Ernst Wertheim entwickelte zusammen mit seinem Lehrer Friedrich Schauta die zwei wesentlichen chirurgischen Zugangswege zur Behandlung von Gebärmutterkrebs – den vaginalen und den abdominalen. In den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts führten Fritz Hitschmann und Ludwig Adler grundlegende Untersuchungen zu den Veränderungen der Zellstruktur der Gebärmutter während des Menstruationszyklus durch. Aus der Schule von Rudolf Chrobak stammten auch die herausragenden Wissenschaftler Heinrich von Peham und Wilhelm Weibel.
Wichtig! Bianca Bienenfeld, die erste Gynäkologin in Österreich, die 1904 promovierte, war ebenfalls erfolgreich in der Klinik von Schauta tätig.

Moderne Gynäkologie: Fortsetzung von Tradition und Innovation
Den Staffelstab der Forschung im Bereich der Frauengesundheit übernahmen Wissenschaftler der nächsten Generation. Josef Halban, ein brillanter Chirurg, war einer der ersten Forscher, der sich intensiv mit der Hormonlehre und ihrer Rolle im weiblichen Organismus befasste. Fritz Kermauner konzentrierte seine Bemühungen auf die Erforschung von Krebserkrankungen im weiblichen Genitalbereich. Tassilo Antoine, der ab 1947 an der Ersten Universitäts-Frauenklinik Wien tätig war, widmete seine Arbeit der Diagnose und Behandlung von Gebärmutterhalskrebs. Sein Nachfolger Eduard Gitsch gründete ein modernes Hormonlabor und richtete seine wissenschaftlichen Interessen auf die Prävention und Behandlung postoperativer Komplikationen bei gynäkologischen Eingriffen, insbesondere bei Gebärmutterkrebs.
Hugo Husslein wurde zu einer Schlüsselfigur und einem wichtigen Reformer der geburtshilflichen Praxis. Auf seine Initiative hin wurde der Mutter-Kind-Pass eingeführt und die erste Intensivstation für Gebärende in Österreich geschaffen. Johannes Huber, der sich auf Probleme der Fertilität und Unfruchtbarkeit konzentrierte, verfasste grundlegende Arbeiten auf dem Gebiet der gynäkologischen Endokrinologie und war ein führender Experte und Berater des parlamentarischen Ausschusses, der das Fortpflanzungsmedizingesetz ausarbeitete.
So bleibt Wien auch weiterhin eines der führenden Zentren für die Entwicklung der Gynäkologie und Geburtshilfe in Europa und bewahrt dabei seine reichen Traditionen der Innovation und des Strebens nach der Verbesserung der Frauengesundheit.