9 Februar 2026

Otto Wagner – berühmter Wiener Stadtplaner

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Otto Wagner war ein herausragender österreichischer Architekt, dessen Tätigkeit das Erscheinungsbild Wiens und die Entwicklung der europäischen Architektur maßgeblich beeinflusste. Als einer der Schlüsselvertreter der Wiener Secession strebte er danach, Ästhetik mit Zweckmäßigkeit zu verbinden und führte innovative Ideen in die Projektierung ein. Wagner trat entschieden für einen funktionalen Ansatz im Bauwesen ein und legte damit den Grundstein für die moderne Architektur. Seine Werke, die historische Motive und innovative konstruktive Lösungen harmonisch vereinen, schmücken auch heute noch das architektonische Gesicht der österreichischen Hauptstadt. Mehr dazu auf ivienna.info.

Frühe Jahre und Ausbildung von Otto Wagner

Otto Koloman Wagner wurde am 13. Juli 1841 in eine wohlhabende Wiener Familie geboren, wo er eine angemessene Erziehung und Bildung erhielt. Schon in jungen Jahren zeigte er Interesse an Kunst und Architektur, was seinen weiteren Lebensweg bestimmte. 1857, im Alter von 16 Jahren, trat Otto in das Polytechnische Institut in Wien ein, wo er seine berufliche Ausbildung im Bereich der Architektur begann.

Nach zwei Jahren Studium in Wien ging Wagner auf Anraten des berühmten Architekten Theophil Hansen nach Berlin, um sein Studium an der Königlichen Bauakademie fortzusetzen. Diese Zeit wurde zu einer wichtigen Etappe in seiner Entwicklung als Architekt, da er die Möglichkeit hatte, sich mit verschiedenen architektonischen Stilen und Strömungen vertraut zu machen, die damals in Europa vorherrschten.

1861 kehrte Wagner nach Wien zurück und trat in die Akademie der bildenden Künste ein, wo die berühmten Architekten August von Sicardsburg und Eduard van der Nüll seine Mentoren wurden. Unter ihrer Leitung vertiefte er seine Kenntnisse in Architektur und Kunst und sammelte praktische Erfahrungen durch die Teilnahme an verschiedenen Bauprojekten. 1864 übernahm er unter der Leitung von Ludwig Förster und Theophil Hansen seine ersten Aufgaben als Bauleiter.

Das Privatleben des Architekten

Otto Wagner, der herausragende Architekt, hatte ein komplexes und ereignisreiches Privatleben. 1867 heiratete er Josefine Domhart, die Tochter eines Wiener Juweliers, mit der er zwei Töchter hatte – Susanne und Margarete, die leider im Kindesalter verstarb. Diese Ehe sollte jedoch nicht die letzte in Wagners Leben bleiben.

1884 heiratete Wagner zum zweiten Mal und wählte Louise (Aloisia Josefa Anna) Stiffel, die ehemalige Gouvernante seiner Tochter Susanne, zur Frau. Aus dieser Ehe gingen drei weitere Kinder hervor – Stefan, Aloisia (Luise) und Christine. Seine zweite Ehe hielt bis zum Ende des Lebens des Architekten. 

Otto Wagner war Vater von insgesamt sieben Kindern. Neben seinen offiziellen Ehen hatte er eine Beziehung mit Sophie Paupie, der Tochter eines böhmischen Bierbrauers, aus der zwei Söhne hervorgingen – Otto Emmerich und Robert Koloman. Diese außerehelichen Beziehungen zeugen von der komplexen und facettenreichen Persönlichkeit des Architekten, der sich nicht immer an die allgemein anerkannten Normen hielt.

Die Suche nach dem eigenen Stil

Die frühen Projekte von Otto Wagner waren im Stil des Historismus gehalten, doch bereits in den Bauten der Länderbank (1882–1884) und der Villa Wagner I (1886–1888) zeigten sich erste Abweichungen von den klassischen Kanons. Auf der Suche nach seinem eigenen Stil, inspiriert von den Ideen Gottfried Sempers, entwickelte Wagner das Konzept der „freien Renaissance“, das historische Formen mit innovativen Ansätzen verband.

Ein Wendepunkt in Wagners Karriere war der Sieg im Wettbewerb für die Gestaltung des Donaukanalufers in den Jahren 1892–1893, obwohl dieses Projekt nie realisiert wurde. Er erhielt jedoch den Auftrag zum Bau der Wiener Stadtbahn. Dieser Auftrag wurde zu seinem Triumph und festigte seinen Status als Schlüsselfigur im Wiener Städtebau.

Ab 1894 lehrte Wagner an der Akademie der bildenden Künste, wo zukünftige Mitglieder der Wiener Secession wie Josef Maria Olbrich, Josef Hoffmann und Koloman Moser zu seinen Schülern zählten. Ende der 1890er Jahre distanzierte sich Wagner endgültig von den akademischen Traditionen und legte seine innovativen Ansichten in dem Manifest „Moderne Architektur“ (1896) dar, in dem er proklamierte: „Etwas Unpraktisches kann nicht schön sein“.

Otto Wagner und die Wiener Secession

Otto Wagner spielte eine entscheidende Rolle bei der Gestaltung des architektonischen Gesichts Wiens an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert. 1899 trat er aus dem Künstlerhaus aus und schloss sich der Vereinigung bildender Künstler Österreichs Secession an, deren Mitglied er bis 1905 blieb. Das Motto der Secessionisten – „Der Zeit ihre Kunst. Der Kunst ihre Freiheit“ – entsprach voll und ganz seiner Überzeugung von der ständigen Weiterentwicklung von Kunst und Architektur. 

Der Architekt war ein häufiger Gast im Café Museum, wo er mit führenden Künstlern und Intellektuellen seiner Zeit über die neuesten Ideen und philosophischen Konzepte diskutierte. Seine architektonischen Forschungen fanden hohe Anerkennung bei den Secessionisten, die seine Projekte unterstützten. Er arbeitete mit ehemaligen Schülern und Kollegen zusammen – Josef Maria Olbrich, Josef Hoffmann und Koloman Moser. Das von Olbrich 1898 entworfene Secessionsgebäude wies offensichtliche Parallelen zu Wagners Hofpavillon am Karlsplatz der Wiener Stadtbahn (1898) auf, an dessen Bau auch Olbrich beteiligt war.

Loyalität und Freundschaft in der Secession

Mit Gustav Klimt verband Wagner eine herzliche Freundschaft. Er besaß sogar eines seiner Gemälde – „Die Stille“ (ca. 1898), das mindestens bis 1945 im Besitz von Wagners Tochter Christine blieb. Es wird angenommen, dass der Architekt es auf der zweiten Ausstellung der Vereinigung bildender Künstler Österreichs im Jahr 1898 erwarb. Leider gilt das Gemälde nach der Beschlagnahmung der Wohnung von Christine Wagner im Jahr 1945 als verschollen.

1905 verließ Wagner zusammen mit der sogenannten „Klimt-Gruppe“ die Secession. Die Anerkennung seines Beitrags zur Kunst wurde bei der Feier seines 70. Geburtstages im Jahr 1911 bestätigt. Die Künstler der Gruppe überreichten ihm ein von Alfred Lichtwark gestaltetes Diplom, verziert mit Miniaturen von Klimt, sowie ein einzigartiges Portfolio erotischer Zeichnungen, unter denen sich auch eine Arbeit von Klimt befand. Später dachte Wagner über einen möglichen Verkauf dieses Portfolios nach, es ist jedoch nicht bekannt, ob er diese Absicht tatsächlich umsetzte.

Wagners spätes architektonisches Schaffen

Die späte Schaffensperiode von Otto Wagner war durch das Prinzip der Funktionalität und Rationalität geprägt. Der Architekt verzichtete bewusst auf überflüssigen Dekor und verwendete für die damalige Zeit moderne Materialien wie Glas, Eisen und Aluminium. Sein Streben nach Nützlichkeit spiegelte sich deutlich in solch herausragenden Projekten wie der Postsparkasse (1904–1906, 1910–1912) und der Kirche am Steinhof (1902–1907) wider, die zu wegweisenden Beispielen der neuen Architektur wurden.

Wagners Experimente stießen jedoch nicht immer auf Verständnis. Die Verwendung von Glas und Beton in der Sakralarchitektur löste eine Welle der Kritik aus. Für die Ausgestaltung der Kirche zog er Kolo Moser hinzu, der die Entwürfe für die Glasfenster schuf, doch sein Entwurf für den Altar wurde nie realisiert.

Zwischen 1900 und 1908 schlug der Architekt eine Reihe innovativer Projekte für die Neugestaltung des Karlsplatzes vor. Seine Ideen fanden Unterstützung in der Künstlergemeinschaft: 1909 schrieb Gustav Klimt an Emilie Flöge, dass Wagner wahrscheinlich ein Museum auf diesem Platz errichten würde. Doch all seine Projekte wurden abgelehnt. Zum Schutz des Architekten traten Klimt, Hoffmann, Deininger und andere Kunstschaffende auf, die am 4. Mai 1910 ein Treffen im Großen Saal des Niederösterreichischen Gewerbevereins organisierten. In der Einladung hieß es, das Ziel der Versammlung sei, „…unsere Heimatstadt vor dem Verlust eines wunderbar konzipierten Kunstwerks zu bewahren…“.

Trotz der Bemühungen der Künstler wurde keines von Wagners Projekten realisiert. Sein Beitrag zur Entwicklung der Architektur blieb jedoch nicht unbemerkt: Im Juni 1913 wählte ihn der neu gegründete Bund österreichischer Künstler zu seinem Ehrenmitglied, während Klimt zum Präsidenten der Organisation wurde.

(Banknote zu 500 Schilling mit dem Porträt von Otto Wagner, 1986)

Der Architekt verstarb am 11. April 1918 in dem von ihm selbst entworfenen Haus in der Döblergasse 4 in Wien, wo er die gesamte obere Etage bewohnte. Später wurde hier das Otto-Wagner-Archiv bei der Akademie der bildenden Künste eingerichtet. Er wurde in der ebenfalls von ihm 1881 entworfenen Familiengruft auf dem Hietzinger Friedhof beigesetzt.

Das Andenken an Wagner wurde auch im Geldumlauf verewigt: 1986 wurde eine 500-Schilling-Banknote mit seinem Porträt herausgegeben, auf deren Rückseite das Gebäude der Postsparkasse abgebildet war.

Quellen: www.geschichtewiki.wien.gv.at, www.architektenlexikon.at, www.klimt-database.com, mahlerfoundation.org

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