9 Februar 2026

Helena Winterstein-Kambersky – Erfinderin der ersten Wimperntusche der Welt

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Jedes Mal, wenn sich Helene Winterstein-Kambersky für ihren Konzertauftritt vorbereitete, stand sie vor einem Problem: Das Scheinwerferlicht verschmierte ihr Make-up und hinterließ schwarze Spuren im Gesicht. Um dieses Problem ein für alle Mal zu lösen, gelang es der Frau, die erste wasserfeste Wimperntusche der Welt zu erfinden, schreibt ivienna.info.

Großes Talent

Helene wurde am 13. März 1900 in Wien in eine Musikerfamilie geboren. Sie war die Urenkelin des Salzburger Komponisten und Gründers des österreichischen Grundschulsystems, Michael Wirthaler. Ihr Großvater hatte bei Mozarts Vater, Leopold, Musik studiert und war zudem ein Bewunderer des Schaffens von Franz Schubert, dem er eine Hymne widmete.

Ihre Gesangskarriere begann Helene im Jahr 1920. Sie war Schülerin von Lilli Lehmann, einer berühmten Opernsängerin und Gesangslehrerin aus Salzburg.

Helene besaß eine wunderschöne Stimme und die Fähigkeit, Lieder feinfühlig und dramaturgisch präzise zu interpretieren, wodurch sie mehrfach bei internationalen Gesangswettbewerben siegte. Im Jahr 1937 war Helene die erste Frau, die vor Publikum in einem abgedunkelten Saal auftrat.

Im Jahr 1920 erlitt Winterstein-Kambersky eine Bleivergiftung. Aufgrund schwerer Komplikationen konnte Helene nicht mehr gehen und war ihr Leben lang an einen Rollstuhl gefesselt. Dies beeinträchtigte jedoch weder ihre künstlerische noch ihre Forschungskarriere.

Erfindung in der Küche

Als Sängerin stand Helene jedoch ständig vor dem Problem, dass ihr Make-up im Scheinwerferlicht verlief. Damals trugen Frauen oft Schuhcreme oder Mittel aus Kohlenstaub und Vaseline auf ihre Wimpern auf, um die Augen zu betonen. Das Ergebnis war nie langanhaltend, und Körperwärme, Schweiß oder Tränen führten dazu, dass das Make-up auf den Augen schmolz und unschöne schwarze Spuren im Gesicht hinterließ.

Anfang 1930 erfand sie parallel zu ihrer Gesangskarriere zusammen mit ihrem Bruder, einem Chemiker, die erste wasserfeste Wimperntusche der Welt. Alles gelang dank harter Arbeit und Beharrlichkeit.

Insgesamt führte Helene über 2000 Experimente in ihrer eigenen Küche durch, nach denen es ihr gelang, eine einzigartige Formel mit einer Technologie zu patentieren, die es ermöglicht, verschiedene Inhaltsstoffe in Form einer wasserfesten Creme zu kombinieren, die sich gleichzeitig leicht entfernen lässt. Die erfundene Wimperntusche basierte auf Wachs, Ruß und Terpentinöl.

Die Wimperncreme wurde in kleine Tuben abgefüllt, und als Applikator diente ein längs gerolltes Papierstäbchen. Etwas später begann man, die Tusche mit einem angefeuchteten Pinsel aufzutragen. Die Marke „La Bella Nussy“ wurde weltberühmt.

Der Name wurde nicht zufällig gewählt, denn das Haustier von Winterstein-Kambersky hieß Nussy.

1935 ließ Helene ihre Erfindung patentieren und gründete bereits ein Jahr später in Wien ihr Kosmetikunternehmen „Helene Winterstein Cosmetic“. 1958 entwickelte Helene eine Wimperntusche mit integriertem Bürstchen.

Im Sommer 1966 verstarb die Erfinderin und hinterließ ein großes Erbe.

Das Familienunternehmen Winterstein-Kambersky erfreut Frauen auch im Jahr 2023 noch mit Wimperntusche. Das Produkt wird nach wie vor in Tuben mit einem geriffelten Kunststoffstäbchen (dem Vorläufer der runden Bürstchen) abgefüllt. Es wird von einer rosafarbenen Kartonverpackung mit altmodischen Schriftzügen geziert.

Die moderne wasserfeste Wimperntusche nach dem Rezept von Winterstein-Kambersky basiert auf Wasser, gebleichtem Bienenwachs, Lein- und Rizinusöl. Das Produkt ist hypoallergen und enthält keine gesundheitsschädlichen Inhaltsstoffe.

Die von Helene entwickelte Wimperntusche trocknet beim Auftragen nicht vollständig, was bedeutet, dass die Wimpern ihre Flexibilität behalten.

Helene Winterstein-Kambersky leistete einen sehr großen Beitrag zur Entwicklung der Schönheitsindustrie. Ihre Erfindung wurde und wird von Tausenden von Frauen auf der ganzen Welt verwendet.

Zu Ehren von Helene und ihrer Erfindung gibt die Österreichische Post seit 2013 eine Sondermarke heraus.

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