9 Februar 2026

Otto Fischer – die vergessene Fußballlegende

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Otto Fischer war ein Fußballer, der nicht nur in Wien, sondern weit darüber hinaus bekannt war. Er spielte für Wiener Vereine und wurde siebenmal in die Nationalmannschaft einberufen. Nach dem Ende seiner Fußballkarriere wurde er Trainer in der lettischen Stadt Liepāja, schreibt ivienna.info.

Jugend, erste Schritte im Fußball

Otto Fischer wurde am 1. Jänner 1901 geboren. Er war das fünfte und jüngste Kind der jüdischen Familie von Heinrich und Netti Fischer, die aus Mähren nach Wien gezogen waren.

Ottos Familie war religiös, sie hielten sich stets an die Gebote und feierten die Feiertage. Der Vater des Jungen, ein überzeugter Sozialdemokrat und Gewerkschaftsmitglied, arbeitete als Verkäufer in einer Spirituosenfirma. Mutter Netti führte den Haushalt und zog die Kinder auf.

Die Liebe zum Fußball zeigte sich bei dem Jungen schon in seiner Kindheit. Gemeinsam mit Freunden jagte er dem Ball durch die Gassen. Im Jugendalter trat Otto dem Sportklub „Hertha“ bei. In diesem Verein etablierte er sich als bester Spieler auf der Stürmerposition.

Beginn einer großen Karriere

Fischers Karrierebeginn fiel genau in die Zeit, als der Fußball in Wien zu einem Massenphänomen wurde. Dies gab Otto und anderen Spielern aus armen Familien die Möglichkeit, sich einen Namen zu machen und anständiges Geld zu verdienen.

Obwohl der Fußball zu einem Amateursport wurde, wurde immer mehr Geld in seine Entwicklung investiert. Besonders bemerkenswert war die Popularität des Fußballs in Tschechien. Einige Sportler aus Wien gingen ins Nachbarland. Im Jahr 1920 nahm auch Otto ein Angebot des „Karlsbader FC“ an.

Doch etwas lief nicht nach Plan, und bereits im August 1921 kehrte er zu seinem Heimatverein „Hertha“ zurück. Im Sommer 1922 wechselte Fischer zum First Vienna Football-Club. Im Herbst debütierte er in einem Match gegen den Sportklub „Hakoah“. Der aktive Stürmer zog durch seine einzigartige Technik und brillante Spielauffassung die Aufmerksamkeit auf sich. Fischer zeigte sich im neuen Nationalteam von seiner besten Seite.

So debütierte er im September 1923 für die österreichische Nationalmannschaft in einem Spiel gegen Ungarn. 1925 fand ein weiteres Match gegen die Ungarn statt. Damals, vor den Augen von 45.000 Zuschauern, schoss Fischer 3 Tore ins gegnerische Netz und sicherte Österreich einen 3:1-Sieg.

Kurz vor der Saison 1924/25 wurde in Österreich der Profifußball eingeführt. Obwohl die „Vienna“ eine der besten Mannschaften war, gelang es Fischer und seinem Klub nicht, den Meistertitel zu erringen.

Auf der Suche nach etwas Neuem wechselte er 1926 zum Sportklub „Hakoah“. Zu dieser Zeit war dieser jüdische Verein einer der bekanntesten in Wien, da er die erste Profi-Meisterschaft gewonnen hatte. Finanzielle Schwierigkeiten, Personalrochaden und der Abgang mehrerer Schlüsselspieler schmälerten jedoch das Ansehen des Klubs.

Fischer nahm an der zweiten Nordamerika-Tournee der „Hakoah“ teil, bei der 19 Spiele in den USA und Kanada ausgetragen wurden. 1927 musste die „Hakoah“ aufgrund finanzieller Probleme ihre Spieler entlassen. Fischer wechselte zu den „Meidlingern“.

Im Trikot dieses Vereins nahm er erneut an der Meisterschaft teil und belegte den vierten Platz. Dank seiner herausragenden Leistungen wurde Otto erneut in die österreichische Nationalmannschaft einberufen.

1928 stand Fischer zum siebten Mal in einem Länderspiel gegen die Schweiz auf dem Feld. Leider wurde dieses Match für den Fußballer sein letztes. Eine halbe Stunde nach Spielbeginn erlitt Otto eine schwere Knieverletzung.

1929 kehrte er noch einmal zur „Hakoah“ zurück, doch die Knieverletzung machte sich bemerkbar, sodass der Sportler seine Karriere beenden musste.

Nach 13 gespielten Saisonen beendete Fischer seine Karriere. In 173 Meisterschaftsspielen erzielte er 52 Tore und war 7 Mal Teil der österreichischen Nationalmannschaft. Auf dem Höhepunkt seiner Karriere war Otto ein Spitzenfußballer, der das Publikum begeisterte.

Vom Fußball zum Traineramt

Nach dem Ende seiner Fußballkarriere wanderte Otto Fischer ins Ausland aus und begann eine Trainerlaufbahn. Zuerst arbeitete er in Serbien beim Klub „Macva“, dann trainierte er die Spieler des böhmischen Vereins „DSV Saaz“.

1936 lud der Klub „Olimpija“ aus der Stadt Liepāja (Lettland) Fischer ein, ihr Trainer zu werden. So trainierte Otto bis 1938 die Spieler des Klubs aus Liepāja.

Im Winter, wenn die Fußballsaison ruhte, besuchte er seine Familie in Wien. Doch als er im Jänner 1938 erneut von Wien nach Lettland aufbrach, verabschiedete er sich für immer von seiner Familie.

Der „Anschluss“ Österreichs an Nazideutschland im Jahr 1938 machte eine Rückkehr für die Wiener Juden unmöglich. Anfangs blieb Lettland ein sicheres Land für Juden, doch das änderte sich bald.

1941 wurde Lettland von Nazideutschland besetzt. Die Verfolgung der Juden begann. Die ersten Massenerschießungen von Menschen jüdischer Herkunft fanden in Liepāja am 4. Juli 1941 statt. Genau an diesem Tag wurde die Wiener Fußballlegende Otto Fischer ermordet.

Insgesamt wurden in Lettland etwa 90.000 Juden ermordet. Darunter befanden sich die lokale jüdische Bevölkerung und Flüchtlinge, die im Land Schutz gesucht hatten.

Fast alle Familienmitglieder Fischers, die in Wien lebten, wurden ebenfalls ermordet. Seine Mutter wurde 1943 im Ghetto Theresienstadt brutal erschossen. Sein Bruder Hugo wurde zusammen mit seiner Frau und seiner Tochter bei der Deportation in ein Konzentrationslager ermordet. Nur seine Schwester Ernestine und ihre beiden Kinder konnten den Hitler-Terror überleben.

Nach 1945 geriet Otto Fischer in Vergessenheit.

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