9 Februar 2026

Slawa Duldig – Erfinderin des Taschenschirms

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Slawa Duldig – Erfinderin, Künstlerin, Pädagogin. Im Jahr 1928 machte sie weltweit von sich reden, als sie den Prototyp eines zusammenklappbaren Regenschirms entwickelte, den sie bereits 1929 patentieren ließ. Mehr über Slawa Duldig und ihre Erfindung erfahren Sie auf ivienna.info.

Wer war Slawa Duldig?

Slawa Horowitz-Duldig wurde in Horodło, Polen, als Tochter von Natan und Antonia Horowitz geboren. Ihr Vater war Direktor einer Mühle in Lemberg. Ihre Großeltern mütterlicherseits waren Landwirte und leiteten einen Bauernhof.

Im Jahr 1911 zog die Familie, besorgt über die negativen politischen Entwicklungen, von Polen nach Wien. Slawa trat sofort in eine Klosterschule ein und begann, sich intensiv dem Klavierspiel zu widmen.

Von 1922 bis 1925 studierte Slawa bei dem Wiener Bildhauer Anton Hanak. 1929 schloss sie ihr Studium an der Akademie der bildenden Künste in Wien als Schülerin des Professors und Bildhauers Hans Bitterlich ab.

Erwähnenswert ist, dass bereits 1926 die Zeitung „Kurier Lwowski“ über ihre Skulptur „Mutter und Kind“ berichtete.

Die einzigartige Erfindung

Im Jahr 1928, nach einem Besuch des Kunsthistorischen Museums in Wien bei regnerischem Wetter, kam Slawa die Idee, einen praktischen, zusammenklappbaren Regenschirm zu entwickeln, der in eine Damenhandtasche passt.

Bei der Umsetzung ihrer Idee wurde sie von ihren Eltern und Freunden unterstützt. Zuerst entwarf sie Skizzen und besorgte Regenschirmspeichen, die zu dieser Zeit nicht so leicht zu bekommen waren.

Dann beauftragte sie einen Uhrmacher, ihr beim Herstellungsprozess zu helfen, kaufte feinen Seidenstoff, erstellte ein Schnittmuster und befestigte die Seide am Schaft und den Speichen. Ihr Freund Karl Duldig schlug vor, den Griff zu verbreitern, damit die Speichen vollständig in die Konstruktion passen. So entstand der Prototyp des modernen Taschenschirms.

Als die Konstruktion vollständig fertig war, meldete Slawa ihre Erfindung in Großbritannien, Deutschland, Österreich, den USA und Polen zum Patent an. Im September 1929 erhielt sie das Patent.

Besonders hervorzuheben ist, dass Slawas Erfindung über einen Teleskopgriff verfügte, der sie sehr kompakt machte. Die Metallstreben, die das Gerüst unter dem schwarzen Seidenbezug bilden, hatten eine innovative Konstruktion, die ein bequemes Zusammenfalten des Schirms ermöglichte.

Duldig nannte ihre Erfindung „Flirt“. Hergestellt wurde er von der österreichischen Firma „Brüder Wüster“ und der deutschen Firma „Kortenbach & Rauh“.

Im ersten Produktionsjahr wurden etwa 10.000 „Flirt“-Schirme verkauft. Slawa erhielt sehr bald ihre Tantiemen. 1931 wurde ihre Erfindung auf der Wiener Frühjahrsmesse vorgestellt.

Das Leben nach der weltweiten Anerkennung

1931 fand Slawa die Liebe ihres Lebens, Karl Duldig. Sie hatte ihren zukünftigen Ehemann im Bildhauerkurs von Anton Hanak kennengelernt.

1938, nach dem Anschluss Österreichs an Nazi-Deutschland, kam es in Wien zu einer Reihe schwerwiegender Menschenrechtsverletzungen. Es gab Angriffe auf die Häuser und Geschäfte von Juden sowie Deportationen in das Konzentrationslager Dachau. Duldig floh mit ihrem Mann und ihrer Tochter mit einem temporären Visum in die Schweiz. Dort verkaufte Slawa die Rechte an ihrer Erfindung für 1.000 Reichsmark an die Firma Brüder Wüster.

1939 zog die Familie als Flüchtlinge weiter nach Singapur. Hier eröffneten Slawa und Karl eine Kunstschule. Es schien, als ob die Dinge gut liefen, aber 1940 wurde die Familie aus Singapur deportiert.

Die Duldigs zogen nach Melbourne, wo Slawa die Erlaubnis erhielt, bildende Kunst und Deutsch an einem Mädchengymnasium zu unterrichten. Parallel zu ihrer Lehrtätigkeit gründeten Slawa und ihr Mann 1945 ein Geschäft für handgefertigte Keramik. Karl stellte die Töpferwaren her, und Slawa war für die Gestaltung der Keramikprodukte zuständig.

Bis zu ihrem Tod unterrichtete Duldig und arbeitete an privaten Aufträgen. Sie verstarb 1975. Die von ihr erfundenen „Flirt“-Regenschirme wurden auch im 20. Jahrhundert weiter produziert. Die Prototypen des von Slawa geschaffenen Regenschirms werden im Museum of Applied Arts and Sciences in Sydney aufbewahrt.

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