9 Februar 2026

Regina Kapeller-Adler – die „Königin des Histidins“

Related

Digitalisierung Wiens: Strategien, Innovationen und neue Verwaltungsorganisation

Die digitale Transformation ist eine unabdingbare Voraussetzung für die...

Neujahrstraditionen Wiens im 20. Jahrhundert

Im Laufe des 20. Jahrhunderts bildete sich in Wien...

Share

Regina Kapeller-Adler ist die Frau, die 1930 einen revolutionären Schwangerschaftstest entwickelte. 1938 wurde sie aus ihrer Heimatstadt Wien vertrieben, konnte ihre Forschungskarriere jedoch in Großbritannien fortsetzen, schreibt ivienna.info.

Ausbildung, erste Schritte in der Wissenschaft

Regina Kapeller-Adler wurde am 28. Juni 1900 auf dem Gebiet der heutigen Ukraine in eine jüdische Familie geboren. Kurz nach der Geburt ihrer Tochter zog die Familie nach Wien. Hier absolvierte das Mädchen das Gymnasium und inskribierte anschließend an der Fakultät für Physikalische Chemie der Universität. Die Eltern konnten sich lange Zeit nicht mit der Wahl ihrer Tochter abfinden und versuchten auf jede erdenkliche Weise, sie vom Studium abzubringen. Es sei darauf hingewiesen, dass es Frauen seit 1897 zwar erlaubt war, an der „Alma Mater Rudolphina“ zu studieren, doch sexistische Vorurteile von Lehrenden und Studierenden erschwerten ihr Leben.

Trotz alledem konnte Regina ihr Studium mit Auszeichnung abschließen und begann bereits 1924 als Demonstratorin am Institut für Medizinische Chemie an der Universität Wien unter der Leitung von Professor Emil Fromm zu arbeiten. 1926 wurde Adler Assistentin.

1933 veröffentlichte Regina eine Methode zur Bestimmung der Aminosäure Histidin im Urin schwangerer Frauen. Wenn der Urin Histidin enthält, färbt er sich dunkelrot, und wenn nicht, bleibt er leuchtend gelb. Dies ermöglichte es, eine Schwangerschaft bereits im zweiten Monat zu erkennen, und nach nur vier Stunden lieferte die Methode ein genaues Ergebnis.

Die Zeitschrift „Neue Wiener“ bezeichnete Kapeller-Adlers Entwicklung 1933 als eine sensationelle Entdeckung, die von großem Nutzen für die Gynäkologie und Geburtshilfe sei.

Die von Regina entwickelte Methode war besonders wichtig zur Erkennung der Früh-Toxikose bei Schwangeren, bei der die Gesundheit der Frau durch hohen Blutdruck gefährdet ist.

Vertreibung aus Wien

Obwohl Kapeller-Adler von ihrer Ausbildung her Chemikerin war, konzentrierten sich ihre wissenschaftlichen Interessen auf die Medizin. Daher begann sie 1934 aktiv Medizin zu studieren, wurde aber aus rassistischen Gründen im März 1938 nicht zur Abschlussprüfung zugelassen.

1935 fand Kapeller-Adler eine Teilzeitstelle im biochemischen Labor einer Krankenkasse. 1936 wurde sie Leiterin des medizinisch-chemischen Labors im Wiener Sanatorium „Hera“. In dieser Position konnte Regina das Labor reorganisieren und an moderne Standards anpassen.

Nach dem Anschluss Österreichs fand ihre Karriere jedoch ein jähes Ende; die Frau wurde fristlos und ohne Aussicht auf eine weitere Anstellung entlassen. Ihr Ehemann, der Arzt Ernest Adler, verlor ebenfalls aus rassistischen Gründen seine Arbeit, wurde während des Novemberpogroms 1938 verhaftet und entging nur knapp der Deportation in das Konzentrationslager Dachau.

Große Hilfe, der Umzug

Glücklicherweise bot die britische „Gesellschaft zum Schutz von Wissenschaft und Lehre“ jüdischen, politisch unerwünschten Wissenschaftlern, die nach Hitlers Machtübernahme in Österreich ihre Arbeit verloren hatten, Hilfe an. Professor F. A. E. Crew, der Direktor des Labors, das in Großbritannien Schwangerschaftstests durchführte, kannte Kapeller-Adlers Entwicklung und bot ihr eine Stelle am Institut der Universität Edinburgh an.

Im Jänner 1939 traf die Familie Adler in Edinburgh ein. Im April desselben Jahres hielt die Wissenschaftlerin auf dem Britischen Kongress für Geburtshelfer und Gynäkologen in Edinburgh einen Vortrag über ihren Schwangerschaftstest. Im Juli 1941 verlieh die Universität Edinburgh Kapeller-Adler den Titel „Doctor of Science“ (D.Sc.).

Von 1940 bis 1944 arbeitete Kapeller-Adler im biochemischen Labor der Royal Infirmary in Edinburgh.

1941 legte Regina ihre medizinischen Prüfungen ab und eröffnete 1942 ihre eigene Praxis. Mit jedem Jahr verbesserte sich die berufliche Basis von Kapeller-Adler. 1951 wurde sie Dozentin an der Abteilung für Klinische Chemie der Universität Edinburgh. 1965 trat die legendäre Wissenschaftlerin in den Ruhestand.

Während ihrer gesamten Laufbahn war sie eine aktive Teilnehmerin an wissenschaftlichen Diskussionen und tauschte sich mit Kollegen aus aller Welt aus, die sie – „die Königin des Histidins“ – nannten.

1973 erhielt Kapeller-Adler das Goldene Diplom der Universität Wien. Die Wissenschaftlerin verstarb am 31. Juli 1991 in Edinburgh.

....... . Copyright © Partial use of materials is allowed in the presence of a hyperlink to us.