Luise Kolm-Fleck gilt als die erste österreichische Regisseurin und Filmproduzentin. Ihr Leben ist eng mit der Geschichte des österreichischen Films verbunden, wie ivienna.info berichtet.
Alles begann mit der Fotografie

Geboren wurde Luise als Aloisia Veltée am 1. August 1873 in Wien. Das Mädchen wuchs gemeinsam mit ihrem Bruder Claudius in einer wohlhabenden Familie auf. Luises Großvater legte den Grundstein für eine Familientradition von Filmliebhabern.
Der Name Veltée wurde bald von vielen mit spektakulären Vorführungen in Verbindung gebracht. Der Sohn des Großvaters, Luises Vater, gründete 1886 das „Stadtpanoptikum“ am Kohlmarkt 10. Zu diesem Zeitpunkt war das Mädchen 13 Jahre alt und half ihrem Vater oft bei der Arbeit; sie war fasziniert von der aufregenden Welt der Bilder.
Im Jahr 1892 lernte Luise ihren ersten Ehemann, Anton Kolm, kennen, und bereits ein Jahr später heirateten sie. Im März 1894 kam ihr erster Sohn zur Welt. In dieser Zeit arbeitete Kolm bei der „Hypothekenbank“, hegte aber eine große Leidenschaft für die Fotografie.
Nach einiger Zeit wagte er schließlich den Schritt, versuchte sich in diesem Bereich, eröffnete ein Atelier in der Liechtensteinstraße und widmete sich der Porträtfotografie.
1895 geschah in Paris etwas Einzigartiges: Die Brüder Lumière präsentierten erstmals ihren Cinématographe. Dieses Gerät projizierte eine Reihe von Einzelbildern an die Wand und erzeugte so den Eindruck von bewegten Bildern.
Die revolutionäre Erfindung wurde knapp ein Jahr später auch in Wien vorgestellt. Luises Vater kaufte dieses neue Gerät und installierte es in seinem „Stadtpanoptikum“.
Nach dem Tod von Luises Vater wurde ihre Mutter zur Geschäftsinhaberin. Luise und Anton erweiterten ihr Portfolio und eröffneten ein Institut für Fotokunst in der Döblinger Hauptstraße. Die Geschäfte liefen gut, und Anton stellte Jakob Fleck als Assistenten ein.
Inspiriert von den neuen technischen Errungenschaften, begannen die jungen Leute allmählich, sich mit der Kinematografie zu beschäftigen. Sie setzten sich ein großes Ziel: so viele österreichische Spielfilme wie möglich zu schaffen.
Karriere beim Film

Das erste Kino in Wien, der „Münstedt Kino Palast“, wurde 1902 eröffnet, und dieses Ereignis löste eine wahre Euphorie unter den Menschen aus. Damals liehen sich Luise und ihr Mann eine Filmkamera aus und drehten bereits ab 1906 erste kurze Szenenfolgen.
Diese Tätigkeit gefiel ihnen so sehr, dass sie so tief wie möglich in diesen neuen Beruf eintauchen, Regisseure werden und in Zukunft ihren eigenen Film drehen wollten.
Nächtelang diskutierte das Paar ununterbrochen darüber, wie man richtig mit einer bewegten Kamera arbeitet und wie man die Beleuchtung so setzt, dass eine Geschichte ohne Worte, aber für den Zuseher verständlich, erzählt wird.
Bald entstand die Idee für das erste Filmdrama mit dem Titel „Von Stufe zu Stufe“. Schließlich schrieb der populäre österreichische Regisseur Heinz Hanus gemeinsam mit Luise Kolm das Drehbuch. Jakob Fleck leitete die Dreharbeiten, und Anton Kolm agierte als Produzent.
Der Film kam 1908 auf die Leinwand. Im Jahr 1910 gab Luises Mutter ihr Geld, mit dem sie zusammen mit ihrem Mann und ihrem Bruder im Alsergrund die Filmproduktionsgesellschaft „Erste Österreichische Kinofilms-Industrie“ gründete, das erste Filmproduktionsunternehmen in Wien.
Die ersten Arbeiten der Firma waren kurze Dokumentarfilme. Gleichzeitig gab es Versuche, im Bereich des Spielfilms Fuß zu fassen, die von Erfolg gekrönt waren. Im selben Jahr führte Jakob Fleck bei dem Film „Die Ahnfrau“ Regie.
Insgesamt war 1910 ein glückliches Jahr für Luise; sie brachte ihren zweiten Sohn zur Welt. Im Alter von drei Jahren spielte er im Spielfilm „Johann Strauss an der schönen blauen Donau“ mit.
Internationale Anerkennung

Nach einiger Zeit wurde Anton Kolm für die finanzielle Seite des Geschäfts verantwortlich. Luise und Jakob Fleck entwickelten sich zu einem idealen Regieduo und drehten aktiv neue Filme.
Luise schrieb viele Drehbücher und führte bei über 100 Filmen Regie, während die Anzahl von Flecks Werken 150 überstieg.
Im Jahr 1922 verstarb Anton. Zwei Jahre später heirateten Luise und Jakob und zogen 1926 nach Berlin. Dort begannen sie, in der deutschen Filmindustrie zu arbeiten.
Luise hatte klare Arbeitsmethoden; sie strebte stets danach, am gesamten Produktionsprozess beteiligt zu sein. Sie drängte sich nie in den Vordergrund und zog doch stets die Aufmerksamkeit auf sich.
Ende 1949 erkrankte Luise schwer und verstarb im März 1950. Sie wurde in Wien beigesetzt.