9 Februar 2026

Der bekannte österreichische Bildhauer Friedrich „Fritz“ Wotruba

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Fritz Wotruba – ein Name, der zum Symbol der österreichischen Bildhauerei des 20. Jahrhunderts wurde. Seine monumentalen, im abstrakten Stil gehaltenen Werke beeindrucken durch ihre Kraft und Expressivität. Er scheute sich nicht, mit Formen und Materialien zu experimentieren und schuf Werke, die seine einzigartige Sicht auf die Welt widerspiegelten. Wotruba hinterließ nicht nur ein außergewöhnliches künstlerisches Erbe, sondern beeinflusste auch die Entwicklung der modernen Kunst und bleibt eine der herausragendsten Persönlichkeiten in der Welt der Bildhauerei. Mehr dazu auf ivienna.info.

Ein wenig zur Biografie

Fritz Wotruba wurde am 23. April 1907 in Wien in einer kinderreichen Familie geboren. Fritz Wotruba war das jüngste Kind tschechisch-ungarischer Einwanderer. Seine Leidenschaft für die Kunst wurde bereits in seiner Jugend geweckt, als er sich im Franziskanerkloster in der slowenischen Stadt Koper aufhielt. Besonders beeindruckt war er von der sakralen Kunst im Kirchenwirtshaus, insbesondere von der Szene mit Judith und Holofernes.

Zunächst erlernte Wotruba das Handwerk des Stanzengraveurs und kopierte dabei die Werke bedeutender Meister, unter denen die Schöpfungen Michelangelos einen besonderen Platz einnahmen. Diese Praxis half ihm, seine Fähigkeiten zu perfektionieren und seinen künstlerischen Stil zu verfeinern. Die endgültige Entscheidung, sich der Bildhauerei zu widmen, traf er während des Besuchs eines Aktmalkurses an der Wiener Akademie der bildenden Künste.

(Fritz Wotruba in seinem Atelier)

Wotrubas Ausbildung und Emigration

Fritz Wotruba begann seinen kreativen Weg mit einer Ausbildung in einer Gravier- und Prägewerkstatt von 1921 bis 1924. Von 1926 bis 1928 verfeinerte er seine Fähigkeiten an der Kunstgewerbeschule unter der Leitung von Anton Hanak. 1929 begann Wotruba seine Karriere als freischaffender Künstler, und sein erster männlicher Torso entstand in den Jahren 1928–1929.

Anfang der 1930er-Jahre reiste der Künstler aktiv durch Europa, besuchte unter anderem Deutschland und die Niederlande und präsentierte seine erste Ausstellung in Essen. In dieser Zeit erwarb die Stadt Wien sein Werk „Junger Riese“, was die Bekanntheit des Bildhauers erheblich steigerte. Sein Talent fand internationale Anerkennung.

Von 1938 bis 1945 war Wotruba aufgrund der jüdischen Herkunft seiner Frau gezwungen, in die Schweiz zu emigrieren. Nach Kriegsende erhielt er eine Berufung an die Akademie der bildenden Künste und konzentrierte sich auf die Entwicklung seines eigenen künstlerischen Stils. Seine Arbeiten zeichneten sich durch Monumentalität und dynamische Formen aus. Besonders beliebt waren seine Bronzeskulpturen sowie seine minimalistischen Betonkompositionen, bei denen Fritz die Detaillierung reduzierte, aber gleichzeitig eine starke Ausdruckskraft bewahrte.

Die Nachkriegsjahre

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs kehrte Fritz Wotruba auf Initiative von Herbert Boeckl nach Österreich zurück, um eine Meisterklasse für Bildhauerei an der Akademie der bildenden Künste zu leiten. Er unterstützte aktiv die Ideen des kulturellen Wiederaufbaus und strebte danach, eine aufklärerische Kunstpolitik zu entwickeln.

Die ersten Monate nach seiner Rückkehr widmete er dem Unterrichten, doch bald darauf widmete er sich ganz dem kulturellen Wiederaufbau Wiens. An der Akademie konzentrierte sich Wotruba auf die Popularisierung der Kunst der Wiener Sezession, die damals fast in Vergessenheit geraten war. Sein erstes bedeutendes bildhauerisches Werk nach seiner Rückkehr war die „Große stehende Figur“, die eine neue Etappe in seinem Schaffen markierte. In diesem Werk deutete er die Grundstruktur des menschlichen Körpers nur noch an, was für seine späteren Skulpturen charakteristisch wurde. Sein Stil entfernte sich immer mehr von den klassischen Kanons der Anatomie und betonte die Struktur und Tektonik der Form.

Wie schon während seiner Zeit in der Schweiz wurde Wotrubas Atelier in Wien zu einem Zentrum des künstlerischen Lebens. Hier trafen sich Künstler, Musiker, Schriftsteller und Studenten, um neue Ideen und Perspektiven für die Entwicklung der Kunst zu diskutieren.

Die Liebesgeschichte des Bildhauers

Fritz Wotruba fand seine einzig wahre Liebe in der Klasse von Anton Hanak, wo er Marian Fleck kennenlernte – die Tochter eines jüdischen Kaufmanns und eine talentierte Studentin, die Bildhauerei studierte. Ihre Gefühle entwickelten sich schnell zu einer tiefen Zuneigung, und 1929 heiratete das Paar. Marian gab ihre eigene künstlerische Karriere auf und wurde nicht nur Fritz‘ Ehefrau, sondern auch seine wichtigste Stütze, indem sie sich ganz seinem kreativen Weg widmete.

Die Liebe des Ehepaares wurde auf eine harte Probe gestellt. Wegen Marians jüdischer Herkunft mussten sie vor der Verfolgung durch die Nazis fliehen und emigrierten 1938 in die Schweiz. Doch selbst im Exil blieb ihre Verbindung unerschütterlich. Nach dem Krieg, im Jahr 1945, kehrten Fritz und Marian in der Hoffnung auf einen Neuanfang nach Wien zurück.

1949 wurde bei Marian Krebs diagnostiziert. Die Tragödie traf den Künstler 1951, als Marian starb. Ihr Verlust war für Fritz ein unersetzlicher Schlag. Sie war seine einzig wahre Liebe, seine Muse und treue Begleiterin, deren Spuren für immer in seinem Herzen und seinem Werk blieben.

Interessant! Die aufrichtige Liebe zu Marian hinderte Fritz nicht daran, erneut zu heiraten. Im Herbst 1956 heiratete Wotruba in Wien Lucy Vorel, die ehemalige Krankenschwester seiner verstorbenen Frau Marian.

Kunst für die Gesellschaft

Ab den 1950er-Jahren arbeitete Fritz Wotruba aktiv an der Schaffung groß angelegter Kunstprojekte im öffentlichen Raum. Zu seinen bedeutendsten Werken zählen das Denkmal für Richard Wagner (1969, Mainz) und die monumentale Skulptur „Große liegende Figur“ (1971, Rotterdam). Wotruba schuf auch Reliefs für architektonische Bauten, zahlreiche Porträtköpfe und arbeitete als Bühnenbildner für Theater in Wien, bei den Salzburger Festspielen sowie in Athen und Berlin. Einen bedeutenden Beitrag leistete der Künstler auch im Bereich der Grafik.

Einen besonderen Platz im kreativen Erbe des Bildhauers nimmt die Fritz-Wotruba-Kirche ein, die zwischen 1974 und 1976 in Wien-Mauer erbaut wurde. Dieses einzigartige Bauwerk, bekannt als „Zur heiligsten Dreifaltigkeit“, ist im Stil des Brutalismus gehalten und besteht aus 152 Betonblöcken unterschiedlicher Größe, von denen der größte 13,10 Meter misst. Die architektonische Komposition weist keine Symmetrie auf, und die schmalen Fensteröffnungen verleihen dem Gebäude eine besondere Dramatik. Wotruba selbst wollte beweisen, dass in der Schlichtheit Schönheit und Harmonie zu finden sind, die den Menschen ein Gefühl der Ruhe und Freude schenken.

(Die Fritz-Wotruba-Kirche)

Die Auszeichnungen des Künstlers und sein letztes Projekt

Im Laufe seines Lebens schuf der österreichische Bildhauer viele Statuen und vollendete unzählige Projekte. Das Talent und der innovative Ansatz von Fritz Wotruba wurden mit renommierten Preisen gewürdigt: 1947 erhielt er den Preis der Stadt Wien, 1958 wurde er mit dem Großen Österreichischen Staatspreis und dem Großen Preis der Weltausstellung in Brüssel ausgezeichnet, und 1971 wurde er mit dem Österreichischen Ehrenzeichen für Wissenschaft und Kunst geehrt.

1974 vollendete Fritz Wotruba sein letztes monumentales Werk – „Großer stehender Mann“. Mitte Juni desselben Jahres verlieh ihm Papst Paul VI. die Pontifikatsmedaille.

Der herausragende Bildhauer verstarb am 28. August 1975 in Wien. Er wurde mit allen Ehren auf dem Wiener Zentralfriedhof beigesetzt. 1993 wurde ihm zu Ehren die Fritz-Wotruba-Promenade in Wien benannt.

Die frühen Werke von Fritz Wotruba waren von herausragenden Meistern der Bildhauerei wie Rodin, Bourdelle, Lehmbruck sowie von der klassischen antiken Kunst beeinflusst. In der Anfangsphase seines Schaffens war der Einfluss seines Mentors Hanak spürbar, doch später veränderte sich sein Stil unter dem Einfluss von Klimt, Schiele, Kokoschka und der internationalen Moderne. So nahm Wotruba die stilistischen und ideellen Strömungen seiner Zeit in sich auf. Während seiner gesamten Karriere strebte der Bildhauer nach der Vereinfachung der Formen, nach Klarheit und Monumentalität.

Quellen: artinwords.de, www.lempertz.com, www.belvedere.at, www.geschichtewiki.wien.gv.at, austria-forum.org, www.biografiasyvidas.com

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