9 Februar 2026

Das St. Anna Kinderspital: Vergangenheit und Gegenwart

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Im Herzen des Wiener Straßengewirrs, wo Kinderstimmen voller Hoffnung und Vertrauen erklingen, erhebt sich ein Gebäude, dessen Mauern Zeugen unzähliger Geschichten des Kampfes ums Leben und der Siege über Krankheiten geworden sind. Das ist das St. Anna Kinderspital, eine Einrichtung mit einer reichen und berührenden Geschichte, die dem Wertvollsten gewidmet ist – der Gesundheit der Kinder. Seine Gründung war die Verkörperung von Mitgefühl und dem Bestreben, jedem kleinen Patienten, unabhängig von seiner Herkunft, eine Zukunft zu schenken. Dieser Artikel ist eine Zeitreise, die von der Entstehung und Entwicklung dieser wichtigen Institution erzählt, von den Menschen, die ihr Leben der Sorge um die Herzen der Kinder gewidmet haben. Mehr dazu auf ivienna.info.

Die Entstehungsgeschichte des St. Anna Kinderspitals

Die Geschichte des St. Anna Kinderspitals beginnt mit einer bescheidenen Initiative, die 1837 von dem talentierten Arzt Ludwig Wilhelm Mautner ins Leben gerufen wurde. Er gründete ein kleines Kinderspital mit zwölf Betten in der Kaiserstraße 49 im siebten Wiener Gemeindebezirk. Diese Einrichtung, der erste Schritt auf einem langen Weg der Barmherzigkeit, zog die Aufmerksamkeit der kaiserlichen Familie auf sich. Im Frühling, am 10. März 1840, besuchte Kaiserin Maria Anna, die Gemahlin Ferdinands I., das Spital. Ihr Besuch war nicht nur ein Zeichen hoher Schirmherrschaft, sondern wurde auch von einem großzügigen Geschenk begleitet – die Kaiserin übergab dem Spital persönlich sechs zusätzliche Betten und bezeugte damit ihre Unterstützung für dieses wichtige Anliegen.

Im selben Jahr, 1840, verlegte Ludwig Wilhelm Mautner, bestrebt, die Möglichkeiten zur Hilfe für die kleinen Patienten zu erweitern, sein Spital in ein benachbartes Gebäude. Dadurch stieg die Bettenanzahl auf vierzig. Obwohl die Einrichtung das Recht erhielt, auch zahlende Patienten aufzunehmen, blieb eine regelmäßige staatliche Finanzierung aus. Mautner, der die Notwendigkeit einer stabilen Unterstützung erkannte, gab sich damit nicht zufrieden. Er gründete einen speziellen Unterstützungsverein, dessen Statuten am 2. März 1842 offiziell genehmigt wurden. Bereits am 25. Juli desselben Jahres wurde das Spital in die Obhut dieser neu geschaffenen Organisation übergeben. Als Anerkennung seines bedeutenden Beitrags zur Entwicklung der Kindermedizin erhielt Ludwig Wilhelm Mautner am 21. April 1844 die universitäre Lehrbefugnis, klinische Vorlesungen direkt in den Räumlichkeiten des von ihm gegründeten Spitals abzuhalten. So begann aus der kleinen Initiative eines Arztes mit Unterstützung der Kaiserin der Weg einer Institution, die später als St. Anna Kinderspital bekannt werden sollte, ein Symbol der Hoffnung und professioneller Hilfe für die kleinsten Bewohner Wiens.

Besuch von Kaiserin Maria Anna und Kaiser Ferdinand I. am 10. März 1840 im „Ersten Kinderspital“ von Mautner
(Besuch von Kaiserin Maria Anna und Kaiser Ferdinand I. am 10. März 1840 im „Ersten Kinderspital“ von Mautner)

Vom Fundament zum Garten: Die frühen Jahre des St. Anna Kinderspitals

Der Sommer 1847 wurde zu einem bedeutenden Meilenstein in der Geschichte des zukünftigen St. Anna Kinderspitals. Dank der Bemühungen und der Weitsicht des Unterstützungsvereins wurde ein Grundstück in jener Gasse erworben, die später den Namen Kinderspitalgasse erhielt. Mit der Ausarbeitung der Baupläne für dieses wichtige Areal wurde der talentierte Architekt Florian Schaden beauftragt. Sein Entwurf wurde Kaiserin Maria Anna persönlich zur Begutachtung vorgelegt.

Bei diesem Treffen äußerte die Kaiserin, tief bewegt vom Schicksal der kleinen Patienten, den aufrichtigen Wunsch, das Spital möge fortan den Namen ihrer himmlischen Schutzpatronin tragen – der heiligen Anna. So erhielt die Einrichtung, die zuvor als Mautners Kinderspital bekannt war, einen neuen, edlen Namen – „St. Anna-Kinderspital“. Bereits im Jahresbericht von 1848 wurde es offiziell unter diesem neuen Namen geführt, der hohe Schirmherrschaft und die Hoffnung auf Heilung symbolisierte.

Innenansicht des St. Anna Kinderspitals in Wien, aus der „Illustrierten Zeitung“, 1856
(Innenansicht des St. Anna Kinderspitals in Wien, aus der „Illustrierten Zeitung“, 1856)

In den Jahren 1847-1848 entfalteten sich auf dem erworbenen Grundstück umfangreiche Bauarbeiten. Damals wurde das zweistöckige Hauptgebäude errichtet, das erstaunlicherweise bis heute erhalten geblieben ist und den Geist der ersten Jahre des Spitals in sich trägt. Der Grundstein für das zukünftige Zentrum der Kindergesundheit wurde am 26. August 1847 gelegt, und die feierliche Zeremonie der Schlusssteinlegung fand am 18. September 1848 statt.

Ein bedeutendes Ereignis war das Jahr 1850, als in den neu errichteten Räumlichkeiten eine universitäre Kinderklinik eröffnet wurde, was ihre wichtige Bedeutung für die medizinische Ausbildung und die wissenschaftliche Forschung im Bereich der Pädiatrie unterstrich.

Die Sorge um die kleinen Patienten beschränkte sich nicht nur auf die Behandlung. Im Jahr 1853 leistete Kaiserin Maria Anna einen weiteren wertvollen Beitrag, indem sie ein benachbartes Grundstück bis zur Marianengasse erwarb. Dieser Erwerb ermöglichte eine erhebliche Erweiterung des Spitalsgartens – ein wichtiges Element für das psychische Wohlbefinden und die Genesung der Kinder. Im Jahr 1858 wurde dieses Areal offiziell dem Komitee des Kinderspitals übergeben, was ein weiterer Schritt zur Stärkung und Entwicklung dieser wichtigen medizinischen Einrichtung in Wien war.

Eingang zum St. Anna Kinderspital, Wien, 1972
(Eingang zum St. Anna Kinderspital, Wien, 1972)

Das Spital in der NS-Zeit und sein Wiederaufbau

Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten im Jahr 1938 zog ein dunkler Schatten über das St. Anna Kinderspital. Der Spitalsverein, der die Einrichtung betreute, wurde aufgelöst und sein Vermögen enteignet. Es schien, als ob das Licht der Barmherzigkeit, das so lange in diesen Mauern geleuchtet hatte, kurz vor dem Erlöschen stand.

Doch selbst in den dunkelsten Zeiten gab es jene, die den Glauben nicht verloren. Im September 1944 zwang ein schreckliches Ereignis – ein schwerer Bombenangriff – das Spital zur Schließung seiner Türen. Es schien, als ob die Zerstörung endgültig einen Schlusspunkt unter seine Geschichte setzen würde. Aber dank der Bemühungen des Deutschen Roten Kreuzes, das dringende Reparaturen durchführte, konnte das Spital bereits am 1. März 1945 unter der Leitung von Paul Krepler, der zuvor im Kinderspital Leopoldstadt tätig war, wieder kleine Patienten aufnehmen. Dies wurde zu einem wahren Symbol für Unverwüstlichkeit und Lebenswillen.

Mit dem Ende des Krieges 1945 begann eine neue Etappe in der Geschichte des Spitals. Von 1945 bis 1963 stand es unter der staatlichen Verwaltung des Österreichischen Roten Kreuzes, und Paul Krepler fungierte weiterhin als ärztlicher Direktor, um die Stabilität und Wiederaufnahme des Betriebs zu gewährleisten. Am 20. Juni 1963 wurde das Spital dem Wiener Roten Kreuz übergeben, das mit einer umfassenden Modernisierung begann, um die medizinische Versorgung für Kinder noch hochwertiger und effektiver zu gestalten.

Eine neue Seite in der Geschichte des Spitals wurde 1973 dank der Initiative der Ehefrauen zweier hochrangiger Diplomaten aus den Vereinigten Staaten von Amerika und Deutschland aufgeschlagen. Sie gründeten das „International Committee for Social Welfare“, dessen Freiwillige die wichtige Mission übernahmen, sich um die Kinder zu kümmern, ihnen komfortablere Aufenthaltsbedingungen zu schaffen und ihnen in schweren Zeiten Wärme und Unterstützung zu schenken.

Ein herausragender Schritt in der Entwicklung des Spitals war der Bau eines spezialisierten Pavillons in den Jahren 1976-1978 zur Unterbringung der onkohämatologischen Abteilung. Seitdem hat diese Abteilung dank ihrer Erfolge bei der Behandlung der kompliziertesten Kinderkrankheiten einen hohen europäischen Ruf erlangt. Die weitere Entwicklung der Infrastruktur umfasste den Bau einer neuen Abteilung im Jahr 1983, deren Umbau zu einem Ambulanzgebäude im Jahr 1986 und die Schaffung eines modernen Forschungslabors im Jahr 1987. Der Zeitraum von 1981 bis 1991 war die Hauptphase der umfassenden Modernisierung und Erweiterung des Spitalskomplexes.

St. Anna Kinderspital

Hoffnung im Leid: Die Anfänge der Onkohämatologie im St. Anna Kinderspital

In den 1970er Jahren entstand im St. Anna Kinderspital ein neuer Hoffnungsschimmer für die kleinsten Patienten – die Behandlung von krebskranken Kindern begann. Diese wichtige Initiative fand 1978 ihren physischen Ausdruck im Bau eines speziellen Isolationspavillons, in dem die kleinen Helden die notwendige Hilfe unter sicheren und kontrollierten Bedingungen erhalten konnten. Mit dem Beginn des Jahres 1980 und der Ernennung von Helmut Gadner zum ärztlichen Direktor trat das Spital in eine Ära tiefgreifender Veränderungen ein. Damals wurde die hämatologische Abteilung nicht nur erweitert, sondern in ein leistungsfähiges Zentrum für Kinderkrebs und Stammzelltransplantation umgewandelt, was neue Horizonte im Kampf gegen diese schweren Krankheiten eröffnete.

Die Komplexität der medizinischen Aufgaben, insbesondere in so kritisch wichtigen Bereichen wie Hämatologie und Onkologie, wurde zu einem starken Katalysator für eine umfassende Rekonstruktion und Umstrukturierung des gesamten Spitals. Ziel war es, die bestmöglichen Bedingungen für die Behandlung und Genesung der kleinen Patienten zu schaffen. Und da eine lange Behandlung die Kinder oft aus ihrem gewohnten Schulleben reißt, gibt es auf dem Spitalsgelände eine Außenstelle der Wiener Heilstättenschule, um die Kontinuität ihrer Ausbildung zu gewährleisten und nicht nur ihr körperliches, sondern auch ihr intellektuelles Wachstum zu unterstützen.

St. Anna Kinderspital modernes Gebäude

Heute ist das St. Anna Kinderspital ein modernes medizinisches Zentrum, das die ruhmreichen Traditionen der Vergangenheit fortsetzt und seine Bemühungen insbesondere auf die Behandlung von krebskranken Kindern konzentriert, um ihnen Hoffnung auf eine gesunde Zukunft zu geben. Seine Geschichte ist ein leuchtendes Beispiel dafür, wie selbst in den dunkelsten Zeiten Güte, Mitgefühl und der Wille zu helfen alle Hindernisse überwinden und ein Licht der Hoffnung entzünden können.

Quellen: vienna.at, www.geschichtewiki.wien.gv.at, web.archive.org, www.roteskreuz.at

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