Stefan Sagmeister – ein Name, der längst zum Synonym für mutiges und wegweisendes Grafikdesign geworden ist. Seine Arbeiten sind nicht einfach nur Bilder, sondern wahre visuelle Geschichten, die durch ihre Tiefe und Originalität beeindrucken. Sagmeister scheut sich nicht, mit Materialien und Techniken zu experimentieren und scheinbar Unvereinbares zu kombinieren. Er ist weltweit bekannt für seine Liebe zur handgemachten Typografie, die seinen Werken einen besonderen Charme und Authentizität verleiht. Mehr dazu auf ivienna.info.
Auf den Spuren seiner Biografie: Die Anfänge des Designers
Stefan Sagmeister, der zukünftige Designer, wurde 1962 in der österreichischen Stadt Bregenz geboren. Bereits im Alter von 15 Jahren stand für ihn fest, dass er sein Leben dem Grafikdesign widmen würde. Stefan arbeitete bei „Alphorn“, einem österreichischen Jugendmagazin, das nach dem traditionellen alpinen Musikinstrument benannt war. „Ich schrieb kleine Artikel für ein kleines Magazin und entdeckte, dass mir das Layouten mehr Spaß machte“, erzählt der Künstler.
Mit 19 Jahren zog Stefan nach Wien, um sich an der Universität für angewandte Kunst zu bewerben, wurde jedoch aufgrund unzureichender zeichnerischer Fähigkeiten abgelehnt. Das konnte seine Entschlossenheit jedoch nicht brechen. Er beschäftigte sich weiter mit Design und wurde im zweiten Anlauf an einer privaten Kunstschule aufgenommen.
Dort lernte er den Musiker Alexander Goebel kennen, der sein Talent bemerkte und ihn der Theatergruppe des Schauspielhauses vorstellte. Stefan wurde angeboten, Plakate für die „Gruppe Gut“ zu gestalten. Obwohl in diesen frühen Arbeiten sein Markenzeichen – Offenheit, Humor und Provokation – noch nicht erkennbar war, verspotteten seine Plakate bereits damals traditionelle Theaterbilder durch den Einsatz grober, punkiger Schriftarten. Diese Arbeiten waren von der anarchistischen Grafik und den Plattencovern des Punk-Rock der 1970er-Jahre beeinflusst – ein Stil, den er im Laufe seiner Karriere als wegweisender Designer immer wieder aufgriff.

Studium in den USA, Arbeit in China und erste provokante Projekte
Nach seiner Ausbildung in Wien setzte Stefan Sagmeister seine künstlerische Ausbildung am Pratt Institute in Brooklyn fort, einer der führenden amerikanischen Universitäten für Kunst und Design, wo er ein Stipendium erhielt. Nach drei Jahren Studium in Amerika musste Sagmeister jedoch nach Österreich zurückkehren, wo noch die Wehrpflicht galt. Er verweigerte den Dienst aus Gewissensgründen und durfte stattdessen seinen Zivildienst in einem Flüchtlingszentrum außerhalb Wiens ableisten.
1991 zog Sagmeister nach Hongkong, wo er als Grafikdesigner bei der Werbeagentur „Leo Burnett“ arbeitete. Dort beschloss er, die kulturellen Grenzen in der Werbung auszuloten, als er 1992 den Auftrag erhielt, ein Plakat für den Hongkonger Designpreis der „4A‘s“ zu gestalten. Das Plakat, im traditionellen kantonesischen Stil gehalten, zeigte vier nackte männliche Hintern – eine offensichtliche Provokation, die durch den Namen des Veranstalters inspiriert war. Dieses provokante Werk löste in der asiatischen Geschäftswelt Empörung aus, was dazu führte, dass viele Agenturen die Preisverleihung boykottierten.

Die Gründung der eigenen Firma
1993 kehrte Stefan Sagmeister nach New York zurück. Er trat dem Grafikdesignstudio „M&Co“ von Tibor Kalman bei, von dem er schon als Student am Pratt Institute geträumt hatte. Doch nur wenige Monate nach Beginn seiner Traumkarriere verkündete Tibor Kalman, dass er das Studio schließen würde, um sich ausschließlich auf seine Rolle als Herausgeber des Magazins „Colors“ zu konzentrieren. Genau in diesem Moment entschied sich Sagmeister, sich selbstständig zu machen. So wurde „Sagmeister Inc.“ gegründet.
Sagmeisters Fokus lag darauf, in die Musikindustrie einzutauchen und Plattencover für Musiker zu gestalten, die er bewunderte. Die Plattenfirmen, an die er sich wandte, lehnten ihn zunächst ab, also ergriff er die Gelegenheit, das CD-Design für das Album eines Freundes zu gestalten – „Mountains of Madness“ von H.P. Zinker.

Obwohl die Musikindustrie für „Sagmeister Inc.“ Priorität hatte, nahm Stefan Sagmeister auch Aufträge von Kunden aus anderen Branchen an. Einer dieser Aufträge war sein skandalberühmtes Vorlesungsplakat für die AIGA im Jahr 1999.
Dieses Plakat rief eine zwiespältige Reaktion hervor und spaltete das Publikum in Befürworter und Gegner des Designers. Die unkonventionelle Darstellungsmethode stieß bei jenen auf Kritik, die sie für unangebracht hielten und befürchteten, sie könnte die Betrachter negativ beeinflussen. Andererseits waren Sagmeisters Bewunderer der Meinung, er habe Opferbereitschaft für den Ausdruck demonstriert und den Schmerz und die Anstrengung gezeigt, die er in seine Projekte investiert. So erlangte der Designer seinen provokanten Ruf.
Stefan Sagmeister, der weltberühmte Grafikdesigner, ist im Herzen Österreicher geblieben. Er wuchs in Vorarlberg auf, studierte in Wien, lebt und arbeitet aber seit fast drei Jahrzehnten in New York. Dennoch besucht er Österreich regelmäßig, bis zu fünfmal im Jahr. „Ich schätze den Frieden und den hohen Lebensstandard in Österreich“, sagt Sagmeister. Stefan präsentiert seine Arbeiten aktiv auf der ganzen Welt.

Auszeichnungen und Ausstellungen von Stefan Sagmeister
Stefan Sagmeister hat im Laufe seines Lebens zahlreiche renommierte Preise erhalten, die sein herausragendes Talent und seinen Beitrag zur Designwelt bestätigen. 2005 erhielt er einen Grammy Award für das beste Box-Set „Once in a Lifetime“ der Band Talking Heads. 2010 wurde er erneut mit einem Grammy für das Albumdesign von David Byrne und Brian Enos „Everything That Happens Will Happen Today“ ausgezeichnet.
2005 wurde Sagmeister mit dem National Design Award in der Kategorie Kommunikationsdesign vom Cooper-Hewitt, National Design Museum in New York, geehrt. 2013 erhielt er das Goldene Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich. 2018 wurde er von der österreichischen Zeitung „Die Presse“ zum „Österreicher des Jahres“ gekürt.
Neben den Auszeichnungen wurden Sagmeisters Arbeiten in zahlreichen Ausstellungen präsentiert, darunter:
- Design-Biennale 2000 im Cooper-Hewitt, National Design Museum in New York.
- Einzelausstellung „Stealing Eyeballs“ im Künstlerhaus Wien und in der Galerie Frédéric Sanchez in Paris im Jahr 2001.
- Einzelausstellung im Museum für angewandte Kunst (MAK) in Wien im Jahr 2002.
- Einzelausstellungen im Museum für Gestaltung in Zürich und der ddd gallery in Tokio im Jahr 2003.
Stefan Sagmeister stellt seine Werke regelmäßig im Museum für angewandte Kunst in Wien aus. Er schätzt mehrere Kultureinrichtungen in Österreich sehr, nämlich das Kunsthaus Bregenz, das Ars Electronica Center in Linz und die Albertina in Wien.
Der Designer hält diese Institutionen für einzigartig, da jede ihre eigene unverwechselbare Identität hat und etwas tut, was keine andere Einrichtung auf der Welt tut. Das Kunsthaus ist einzigartig, weil es das gesamte Gebäude einem einzigen Künstler widmet. Das Ars Electronica Center ist die erste große Institution, die sich ausschließlich der digitalen Kunst widmet. Die Albertina wiederum besitzt eine riesige historische Sammlung von Zeichnungen und schafft es erfolgreich, in der modernen Welt relevant zu bleiben.

Über das Führen eines Tagebuchs und die wichtigsten Werte des Designers
Stefan Sagmeister sagt, dass es ihm ein Gefühl der Zufriedenheit gibt, anderen Menschen zu helfen. Er strebt danach, Mut in sich zu entwickeln. Stefan ist überzeugt, dass es unklug ist, in Illusionen über eine bessere Zukunft zu leben, denn es ist wichtig, den Augenblick zu schätzen. Sagmeister glaubt an das Bumerang-Prinzip: Alles, was er tut, kommt zu ihm zurück. Annahmen, so seine Meinung, schränken ein. Er ist sich bewusst, dass Drogen, obwohl sie kurzfristige Befriedigung verschaffen, mit der Zeit zur Last werden. Mit der Zeit hat er sich an alles gewöhnt und aufgehört, wertzuschätzen, was er hat. Geld macht ihn nicht mehr glücklich. Daher sollte man materiellen Luxus seiner Meinung nach besser in kleinen Dosen genießen.
Er findet, dass seine Träume oft keinen Sinn ergeben. Das Führen eines Tagebuchs hilft Stefan, sich als Persönlichkeit zu entwickeln. Er erkennt, dass das Streben, gut auszusehen, sein Leben einschränkt und Sorgen keine Probleme lösen. Er meint, sich zu beschweren sei sinnlos: Man muss entweder handeln oder die Kränkung vergessen. Sagmeister versteht auch, dass jeder seine eigene Meinung für die richtige hält. Niedrige Erwartungen sind eine gute Strategie, und deshalb bewundert Stefan ehrliche Menschen.
Quellen: press.austria.info, www.derstandard.at, www.creativeboom.com, kevingallagher.github.io