9 Februar 2026

Johann Georg Lahner – der „König“ der Wiener Würstchen

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Johann Lahner wurde in Gasseldorf als Sohn einfacher Bauern geboren. Da die Lebensbedingungen in seiner Heimat schlecht waren, verließ der junge Mann seine Heimatstadt. 1795 ging er nach Frankfurt am Main, wo er eine Ausbildung zum Fleischhauer absolvierte. 1798 übersiedelte Lahner nach Wien, und genau hier machte er seine Erfindung, wie ivienna.info berichtet.

Auf der Suche nach sich selbst

In Wien angekommen, begann Lahner Arbeit zu suchen. Eine Zeit lang war er Page im kaiserlichen Münzamt. Danach beschloss er, zu seinem Beruf als „Hacker“ bei einem Fleischhauer zurückzukehren. Im Jahr 1804 eröffnete Johann in einem Wiener Vorort seine eigene Selcherei mit einem Geschäft. Zu dieser Zeit gab es in Wien noch keinen regulierten Handel mit Selchwaren.

Die örtlichen Fleischhauer stellten kaum Wurstwaren her. Diese Aufgabe wurde den „Wurstmachern“ und Käsern anvertraut. In Deutschland hingegen war der Wursthandel zu dieser Zeit weit verbreitet und gesetzlich geregelt.

Johann hatte bereits während seiner Zeit in Frankfurt gelernt, Würste herzustellen. Er fertigte sie aus Schweine- und Rindfleisch. Die Herstellung der Würstchen war sehr arbeitsintensiv. Das Fleisch wurde mit Holzstöcken und Hämmern geklopft. Dann wurde es mit Schneidemessern zerkleinert. Die entstandene Masse wurde mit einer großen Handpritschen in gereinigte Tierdärme gefüllt. Die fertigen Produkte kamen anschließend in die Selcherei.

Die auf diese Weise hergestellte Wurst hatte eine eckige Form, die praktisch war, um sie in Kisten zu stapeln.

Die große Erfindung

In den ersten Jahren seiner Tätigkeit in Wien stellte Johann Würstchen so her, wie er es in Frankfurt gelernt hatte. Doch das salzige, stark geräucherte Produkt war bei den Wienern nicht sehr beliebt.

Daher begann Johann, mit einem neuen Rezept zu experimentieren. Da es in Wien keine Vorschriften bezüglich der Verwendung und Mischung verschiedener Fleischsorten für Würste gab, entschied er sich zu experimentieren und mischte dem Rindfleisch Schweinefleisch bei. Außerdem entfernte Johann die Sehnen vollständig aus dem Fleisch und hackte es sehr fein. Anschließend füllte er die Masse in behandelte Schafsdärme. Die langen Würste band er zu kleinen Stücken ab und drehte sie paarweise zusammen.

Er räucherte die Würste nur relativ kurz und kochte sie anschließend gar. Beim Reinbeißen machten diese Würstchen ein knackendes Geräusch.

Im Frühjahr 1805 begann Lahner, sein neues Produkt als „Frankfurter Würstchen“ zu verkaufen. Am ersten Verkaufstag bildete sich eine Schlange vor seinem Geschäft, was zeigte, dass die Wiener Lahners Erfindung zu schätzen wussten.

Der größte Kunde von Lahners Fleischhauerei war das Casino Zögernitz, das im Volksmund als „Würstelschloss“ bekannt war. Die Familie Lahner verbrachte recht oft Zeit in diesem Etablissement.

Anerkennung durch das Volk

Die Wiener liebten Johann Lahners Würstchen so sehr, dass ihm gestattet wurde, seine Kreation Kaiser Franz I. vorzustellen. Nach der Verkostung wurden Lahners Würstchen zur Lieblingsspeise am kaiserlichen Hof.

Der Wiener Kongress im Jahr 1814 machte die „Lahner-Frankfurter-Würstel“ über die Landesgrenzen hinaus bekannt. Diese Markenspezialität wurde bald in vielen Ländern nachgemacht.

Heute sind sie als „Wiener Würstchen“ bekannt. 1842 begann die Produktion der Würstchen in Mailand. 1843 wurde Lahner Bürger von Wien. Mit der Wurstproduktion erwarb er ein großes Vermögen.

1855 wurden die „Wiener Würstchen“ auf der Wiener Ausstellung präsentiert. Die Besucher wussten nicht, wie man die Delikatesse richtig isst. Sie fragten sich, ob man die Haut abziehen oder sie im Ganzen essen sollte. Einige versuchten, sie mit dem Messer zu schneiden. Fürstin Pauline von Metternich zeigte damals, wie das Gericht gegessen werden sollte. Sie nahm ein heißes Würstchen in die Hand und biss Stück für Stück ab.

Johann Georg Lahner verstarb im April 1845. Er ging von dieser Welt und hinterließ ein großes Unternehmen, das an seinen Sohn und die nachfolgenden Generationen überging. Seine Erfindung – die Wiener Würstchen – ist bis heute eine Lieblingsspeise der modernen Stadtbewohner.

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