9 Februar 2026

Wie Kaffee in Wien zu einem beliebten Getränk wurde: Geschichte, Fakten und Ereignisse

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Im Herzen Europas, in der Stadt Wien, ist Kaffee nicht nur ein Getränk. Er ist ein Symbol für intellektuelle Gespräche, gesellschaftliches Leben und eine unendliche Pause. Schon seit dem Ende des 17. Jahrhunderts wurde die Hauptstadt Österreichs zu einer Bühne, auf der sich die exotische Kaffeekultur in ein soziales Ritual verwandelte. Im Folgenden auf der Website ivienna.info verfolgen wir, wie eine Bohne, ein Kaffeegetränk, sich von den ersten Zweifeln zu einem Nationalstolz Wiens entwickelt – mit Daten, Namen, Fakten und Statistiken.

Die Ankunft des Kaffeegetränks in Wien

Die Geschichte des Kaffees in Wien ist direkt mit den Ereignissen der Invasion des Osmanischen Reiches verbunden. Nach der Zweiten Osmanischen Belagerung (1683) litt Wien, blieb aber gleichzeitig ein Ort der kulturellen Begegnung.

Einer weit verbreiteten Legende nach fand man nach dem Rückzug der türkischen Armee Säcke mit Kaffeebohnen. Zuerst hielt man sie für Tierfutter. Und genau zu dieser Zeit soll der polnisch-österreichische Kaufmann und Teilnehmer an der Stadtverteidigung, Georg Franz Kolschitzky, auf diese Bohnen aufmerksam geworden sein und die ersten Versuche unternommen haben, sie zu rösten und daraus Kaffee zu kochen.


Ein weiterer wichtiger dokumentierter Schritt war die Eröffnung des ersten Kaffeehauses in Wien. Das war im Jahr 1685. Damals erhielt der armenische Kaufmann Johannes Diodato vom Kaiser des Heiligen Römischen Reiches, Leopold I. von Habsburg (1640-1705), die Lizenz zum Kaffeeverkauf in Wien.
In den folgenden Jahrzehnten nahm die Zahl ähnlicher Kaffeehäuser stark zu. So begann beispielsweise bereits im ersten Viertel des 18. Jahrhunderts ein Kaffeehaus am Graben, Zeitungen für seine Besucher bereitzulegen. Dies war eine frühe Manifestation des sozialen Aspekts der Kaffeehäuser.

Die Entstehung der Kaffeehaustradition im 18. und 19. Jahrhundert

Im 18. Jahrhundert wurden die Wiener Kaffeehäuser nicht nur zu Orten, an denen man Kaffee trank, sie verwandelten sich in soziale Räume. Ende des 18. und Anfang des 19. Jahrhunderts wuchs ihre Zahl stetig. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts gab es in Wien beispielsweise rund 89 Kaffeehäuser. Und um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert waren es bereits rund 1.200.
Charakteristische Merkmale der damaligen Kaffeehäuser waren Marmortische, Stühle der Firma Thonet mit gebogenen Rückenlehnen, Zeitungsständer, lange Öffnungszeiten und die Möglichkeit, stundenlang bei einer Tasse Kaffee zu sitzen… All dies wurde zum Markenzeichen der Wiener Kaffeehäuser. 

Hier trafen sich Intellektuelle, Künstler, Kaufleute und Politiker. Hier schufen sie die Atmosphäre eines „zweiten Zuhauses“. Und gerade im 19. Jahrhundert festigte Wien seine Position als Stadt der Kaffeekultur – nicht nur als Konsument, sondern als Ort, an dem Kaffee zu einem wichtigen sozialen und kulturellen Element wurde.

Erwähnenswert ist, dass die Wiener Kaffeehäuser ab 1856 auch für Frauen geöffnet wurden. Zuvor waren sie üblicherweise ein männlich dominierter Raum. Somit wurde im 18. und 19. Jahrhundert die architektonisch-soziale Schablone des Wiener Kaffeehauses geschaffen und der Aufstieg der Kaffeekultur zu einer vollwertigen Tradition ermöglicht.

Bedeutende Wiener Kaffeehäuser und ihr Beitrag zur Popularisierung des Kaffees

In Wien gibt es eine Reihe legendärer Kaffeehäuser, die eine Schlüsselrolle bei der Popularisierung der Kaffeekultur gespielt haben. Zum Beispiel:

  1. Café Frauenhuber in der Himmelpfortgasse, gegründet 1824. Es gilt als eines der ältesten Kaffeehäuser Wiens.
  2. Café Landtmann, eröffnet 1873 am Universitätsring. Es wurde oft von bekannten Politikern, Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens, Künstlern und Journalisten besucht.
  3. Café Central, eröffnet 1876 in der Herrengasse. Hier trafen sich Persönlichkeiten wie der Schriftsteller Stefan Zweig, der Revolutionär Leo Trotzki, der Psychologe Sigmund Freud und der Schriftsteller Alfred Polgar.

Jedes dieser Häuser hat seine eigene Geschichte: die Architektur – oft Historismus oder Neorokoko; das Interieur – Marmortische, Thonet-Stühle; die Atmosphäre – langes Verweilen, Zeitungslesen, Diskussionen. Dies schuf das Image eines „Kaffeesalons“.
Dank solcher Einrichtungen hat die Wiener Kaffeekultur nicht nur überlebt, sondern ist aufgeblüht. Sie wurden zur Stütze dafür, dass der Kaffee und das Kaffeehaus als Form – Einzug in den Alltag der Wiener und der Gäste der Stadt hielten.

Kaffee im 20. Jahrhundert

Im 20. Jahrhundert sah sich die traditionelle Wiener Kaffeekultur mit einer Reihe bedeutender Veränderungen konfrontiert. Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts erlebten die klassischen Wiener Kaffeehäuser ihre Blütezeit: Im Jahr 1900 gab es in der Stadt bereits über 600 Kaffeehäuser.

Die ersten großen Herausforderungen kamen jedoch aus dem wirtschaftlichen und politischen Bereich. 1914 begann der Erste Weltkrieg, gefolgt von der Zwischenkriegszeit. Während der Großen Depression von 1929-1930 gerieten die Kaffeehäuser durch Mangel, Steuern, steigende Bohnenpreise und Importbeschränkungen unter Druck…

Laut der Österreichischen UNESCO-Kommission hatten die Wiener Kaffeehäuser bereits während der Kontinentalsperre Napoleons von 1803-1813 wirtschaftliche Schwierigkeiten – ein Beispiel dafür, dass die Herausforderungen der neuen Jahrhunderte Präzedenzfälle hatten.

Ein weiterer Wendepunkt war der Zweite Weltkrieg. Aufgrund von Importbeschränkungen für Kaffee, der Zerstörung der Infrastruktur und Personalmangel waren viele Betriebe gezwungen, entweder ihr Format zu ändern oder zu schließen. Nach 1945, in der Nachkriegszeit, befanden sich die traditionellen Kaffeehäuser in Konkurrenz zu neuen Gastronomieformen – zum Beispiel kleinen Espresso-Bars, schneller Bedienung und einer anderen sozialen Dynamik.

Im Jahr 1956 führte die Anerkennung der Notwendigkeit eines Zusammenschlusses zur Gründung des Klub der Wiener Kaffeehausbesitzer – einer Organisation, die sich den Schutz der Kaffeehauskultur, die Unterstützung der Besitzer traditioneller Betriebe und die Förderung der Ideen zur Bewahrung des Wiener Kaffee-Erbes zum Ziel gesetzt hat.

Neue Trends, „Third Wave“ und die Bewahrung der Traditionen – das 21. Jahrhundert

Im 21. Jahrhundert trat die Kaffeekultur in Wien in eine Ära neuer Herausforderungen und Möglichkeiten ein. Einerseits beeinflusst die Ausbreitung globaler Kaffeehausketten, „Coffee-to-go“-Formate und spezialisierter Cafés mit internationalem Charakter („Third Wave Coffee“) auch Wien. 

Nach Angaben des Deutschen Kaffeeverbandes verdrängt der gesamteuropäische Café-Bar-Trend zwar traditionelle Formen, ergänzt aber die Wiener Betriebe, anstatt sie zu ersetzen. In Berichten zur Kaffeehauskultur wird festgestellt, dass sich junge Leute zwar neuen Formaten zuwenden, ein Großteil der Wiener aber immer noch die traditionelle Kaffeekultur bevorzugt – mit Marmortischen, Thonet-Stühlen, Zeitungen auf dem Tisch und einem langsamen Rhythmus.

Im Jahr 2011 erhielt die Anerkennung der Wiener Kaffeekultur offiziellen Status. Die Tradition der „Wiener Kaffeehauskultur“ wurde in die Liste des immateriellen Kulturerbes der UNESCO aufgenommen. Die Bewahrung der Atmosphäre wurde dabei zu einem der Schlüsselerfolge.

Auch die gastronomischen Aspekte sind beachtenswert. Neben klassischen Getränken wie Wiener Melange, Einspänner oder Franziskaner bieten neue Lokale spezialisierte Sorten und Handaufguss an. Die traditionellen Kaffeehäuser legen jedoch den Schwerpunkt auf die Kultur des Verweilens und nicht auf schnellen Service.

Über die moderne Kaffeekultur in Wien

Die Kaffeekultur in Wien ist nicht nur ein Getränk, sondern auch eine Art des Verweilens und der Kommunikation. Eine Studie aus dem Jahr 2024, durchgeführt von KMU Forschung Austria gemeinsam mit der Fachgruppe der Kaffeehäuser im Rahmen der Wirtschaftskammer Wien, ergab, dass 70 % der befragten Wiener angaben, ein Kaffeehaus zu besuchen, um Zeit mit Freunden oder Familie zu verbringen, 61 % möchten einfach einen Kaffee oder ein anderes Heißgetränk trinken und 38 % kommen zur Entspannung.

Die Studie ergab auch, dass 1/3 der Wiener Bevölkerung (das sind mehr als eine halbe Million Menschen) mindestens einmal pro Woche ein Kaffeehaus besucht. Weitere rund 25 % tun dies mehrmals im Monat. Umgerechnet in absolute Zahlen bedeutet das, dass täglich rund 32.000 Wiener ein Kaffeehaus besuchen.

In der Studie wird erwähnt, dass es in Wien (Stand 2024) insgesamt rund 2.000 Kaffeehäuser gibt. Dies lässt eine ungefähre Schätzung der durchschnittlichen Anzahl von Stammgästen pro Betrieb zu.

Insgesamt bedeutet dies, dass die Wiener Kaffeehäuser den Status eines „zweiten Wohnzimmers“ innehaben – ein Ort nicht nur des Konsums, sondern des gemächlichen Verweilens. Genau dieser Aspekt – bei einer Tasse Kaffee zu sitzen, mit einer frischen Zeitung, oft ohne festes Zeitlimit – gilt als charakteristisches Merkmal der Wiener Tradition.

Quellen:

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