In Schwechat in Niederösterreich liegt ein Flughafen, der sich in Bezug auf seine Größe, Geschichte und geografische Lage von anderen europäischen Drehkreuzen abhebt. Noch vor dem Zweiten Weltkrieg militärisch genutzt, dann zivil und heute dient er als internationales Drehkreuz mit einem Passagieraufkommen von Dutzenden Millionen. Diese Transformation erfolgte Schritt für Schritt: vom Flugfeld der Kaiserzeit über ein Besatzungsobjekt bis hin zu Modernisierung und Expansion. All das geschah 18 km vom Wiener Stadtzentrum entfernt, was ihm eine einzigartige lokale Position verschaffte. Mehr dazu auf ivienna.
Anfänge und die Militärzeit (1938 – 1945)
Am 14. Mai 1938 erfolgte der Spatenstich auf dem Gelände „Heidfeld“ nahe Wien. Das war der Beginn des Flugplatzbaus. Der Prozess wurde vom politischen und militärischen Funktionär des Dritten Reiches, Hermann Göring, geleitet.
Die Flugbasis trug den offiziellen Namen „Luftwaffenstützpunkt Schwechat‑Ost / Heidfeld“. Insgesamt wurden auf dem Gelände 5 Hangars, Hubschrauberwerkstätten (einer der Hangars diente der Produktion), Wohngebäude für das Servicepersonal und ein großes Garagengebäude errichtet.

Im Jahr 1942 wurde ein Teil des Areals der deutschen Flugzeugbaufirma „Heinkel‑Werke“ zur Produktion der Flugzeugserien He 219 und He 162 „Volksjäger“ überlassen. Gleichzeitig wurde eine 1.500 m lange Betonpiste für Testzwecke angelegt.
Nach der Invasion der Alliierten wurde die Basis ab 1943 bombardiert. Am 6. und 7. April 1945 drangen Truppen der Roten Armee auf das Flugplatzgelände vor. Nach der Kapitulation Deutschlands wurde die Flugbasis an die britischen Besatzungstruppen übergeben, die die RAF Schwechat bildeten.
Der Flugplatz selbst hatte eine günstige Lage – an der Grenze zwischen der Stadt Wien und Niederösterreich. Dies entwickelte sich später zum Vorteil: bequemer Zugang zur Stadt und gleichzeitig Raum für Erweiterungen.
Ziviler Start und Nachkriegswachstum (1953 – 1969)
Am 11. Dezember 1953 wurde die „Wiener Flughafenbetriebsgesellschaft m.b.H.“ gegründet. Am 1. Jänner 1954 übernahm sie die Verwaltung des Zivilflughafens. Und am 14. Juni 1954 wurde der zivile Passagierflughafen offiziell eröffnet. Im ersten Betriebsjahr betreute das Unternehmen 64.211 Passagiere.

Im Jahr 1959 wurde die Hauptlandebahn auf 3.000 m verlängert, um größere Düsenflugzeuge abfertigen zu können. In den 1960er-Jahren stieg das Passagieraufkommen und überschritt bereits im Jahr 1966 die 1-Million-Grenze.
Die Stadt Wien und das gesamte Bundesland Niederösterreich investierten Mittel in die Entwicklung der Infrastruktur. Es wurden neue Hangar-Gebäude, Straßen- und Bahnanbindungen errichtet. Ein bedeutendes Ereignis war, dass der Flughafen in dieser Phase seinen Status von einem Militärobjekt auf ein ziviles änderte und begann, die Rolle des internationalen Luftverkehrsknotenpunkts Österreichs zu übernehmen.
Expansion und Transformation (1970 – 1990er Jahre)
Am 6. Oktober 1977 wurde die zweite Start- und Landebahn in Betrieb genommen. Dies erhöhte die Kapazität erheblich. Im Jahr 1982 wurde der Flughafen an die Autobahn A4 (Ostautobahn) angebunden. Dies gewährleistete eine direkte Verbindung mit dem österreichischen Autobahnnetz.
Im Jahr 1988 wurde der Pier Ost mit acht Fluggastbrücken eröffnet, was das gleichzeitige Andocken mehrerer Flugzeuge an das Terminal ermöglichte. Am 29. April 1992 erfolgte die Umwandlung der „Wiener Flughafenbetriebsgesellschaft m.b.H.“ in eine Aktiengesellschaft mit Börsengang – die „Flughafen Wien AG“. Insbesondere wurden die Aktien des Unternehmens am 15. Juni 1992 erstmals an der Wiener Börse gehandelt.

Die Statistik zeigt, dass der Passagierverkehr des Flughafens im Jahr 1989 5 Millionen überschritt. Die Besonderheit dieser Periode war die strategische Lage zwischen West- und Osteuropa. Nach dem Fall des „Eisernen Vorhangs“ konnte der Wiener Flughafen seine Routen nach Osteuropa erheblich ausweiten. Dies wurde zu einem Vorteil gegenüber vielen westeuropäischen Konkurrenten.
Das 21. Jahrhundert: Modernisierung, „Skylink“ und Airport City
Das Projekt „Skylink“ war eine Schlüsselphase der Modernisierung des Flughafens Wien. Das architektonische Konzept wurde von den Schweizer und österreichischen Firmen „Itten+Brechbühl AG“ bzw. „Baumschlager‑Eberle GmbH“ entwickelt.
Die Bauarbeiten begannen im Jahr 2005. Im Dezember 2009 genehmigte der Flughafen-Vorstand ein Budget von 830 Millionen Euro für „Skylink“. Offiziell wurde er erst am 5. Juni 2012 in Betrieb genommen.
„Skylink“ sah eine Verdoppelung der Passagierflächen, eine dreistöckige „One-Roof“-Konstruktion und eine minimale Umsteigezeit von 25 Minuten vor. Architektonisch verband er die bestehenden Terminals und Piers und schuf einen einheitlichen Raum „Flughafen + Stadt“.

Parallel zum Terminalbau entwickelte sich die Business-Park-Zone „AirportCity Vienna“, die Büroflächen, Logistik und Hotels umfasste. All dies verwandelte Wien von einem bloßen Luftverkehrsknotenpunkt in einen regionalen Business-Komplex. Im Jahr 2019 erreichte der Flughafen die Zahl von 31,7 Millionen Passagieren. Das war ein Rekordwert für Österreich.
Diese Kombination aus dem modernen Terminal „Skylink“, dem Business-Park „AirportCity Vienna“ und der städtischen Infrastruktur Wiens macht diesen Flughafen zu einem Beispiel einer „Stadt im Flughafen“.
Gegenwart und lokale Herausforderungen
Im Jänner 2025 betrug das Passagieraufkommen am Wiener Flughafen etwa 1,9 Millionen Passagiere. Das sind 3,4 % mehr als im Jänner 2024. Allein im ersten Quartal 2025 fertigte der Flughafen 6.018.204 Passagiere ab. Zum Vergleich: Im ersten Halbjahr 2023 waren es 13,3 Millionen Passagiere.
Gleichzeitig steht der Flughafen vor erheblichen lokalen Herausforderungen. Eine der wichtigsten ist die Lärmbelastung für die Gebiete rund um den Flughafen: Donaustadt, Margareten-am-Moos, Zwadorf. Anwohner beschweren sich über häufige Starts und Landungen sowie über die Änderung von Routen aufgrund von Wind.

Auch die Verkehrsanbindung steht unter Druck. Der Bahnhof „Bahnhof Flughafen Wien“ ist seit dem 25. September 1977 in Betrieb, benötigt aber eine Erneuerung und Verbesserung für eine operative Verbindung mit dem Zentrum von Wien und den Vororten.
Eine weitere Besonderheit ist die Routenstruktur. Im Jahr 2023 gab es ein Wachstum der Passagiere aus Fernost um 302,1 % und aus Nordamerika um 20,9 %. Die osteuropäischen Destinationen wachsen jedoch langsamer. Dies ist charakteristisch für Wien, das eine geografische Vorteilslage in Richtung Osten hat.
Aus wirtschaftlicher Sicht bleibt der Flughafen einer der größten Arbeitgeber der Region, aber der Konkurrenzdruck (z. B. durch den benachbarten Flughafen Bratislava) mindert die Marge.
Lokale Rolle und regionaler Einfluss
Der Flughafen erfüllt nicht nur die Funktion des Personenverkehrs, er ist ein Schlüsselelement des Wirtschafts- und Infrastruktursystems von Wien und ganz Niederösterreich. Im Jahr 2013 waren rund 20.000 Personen auf dem Flughafengelände beschäftigt, davon etwa 4.500 in der „Flughafen Wien“-Gruppe.
Geografisch ist der Wiener Flughafen so gelegen, dass die Anfahrt vom Stadtzentrum aus mit dem Auto nur etwa 20-25 Minuten dauert. Dies macht ihn bequemer als die meisten europäischen Drehkreuze, die weit außerhalb der Stadt liegen. Auf regionaler Ebene dient er als „Tor“ zu Osteuropa. Er zeichnet sich dadurch aus, dass große internationale Verbindungen hier einen Schwerpunkt auf die Länder Ost- und Südosteuropas legen, im Gegensatz zu westeuropäischen Flughäfen. Dies sichert ihm einen strategischen Vorteil.

Ebenso hat sich rund um den Flughafen eine logistisch-industrielle Zone gebildet, die eine Synergie schafft: Flughafen + Business-Park + Verkehrsinfrastruktur. Diese enge Verbindung zwischen der Stadt Wien, der Region Niederösterreich und dem internationalen Flugverkehr ist eine zentrale lokale Besonderheit, die den Wiener Flughafen zu einem einzigartigen Objekt im Luftverkehrsnetz Mitteleuropas macht.
Quellen: